Start Mittoch Morgen: Mit dem Auto werden wir vom Hotel abgeholt, sammeln Sixto, unseren Guide, ein und fahren raus aus der Stadt und rein in die Berge. Statt direkt loszulaufen, bauen wir - angekommen auf 4.700m - direkt unser "Lager" auf. Das besteht aus einem schicken North Face Zelt fuer Bjoern und mich und einem Kuechen/Ess/Schlaf-Kombi-Zelt fuer Sixto und Rojelio, dem Mann der fuer die Mulis und damit fuer unser Gepaeck verantwortlich ist.
Ein Mann und seine Mulis: Rojelio.
Und mehr nicht. Denn auf dieser Tour sind wir tatsaechlich vollkommen allein und ohne Gruppe unterwegs. Das Gefuehl, dass zwei Maenner und zwei Mulis einzig nur fuer dich da sind, ist erstmal etwas gewoehnungsbeduerftig. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sowohl Sixto als auch Rojelio einzig spanisch sprechen - und unser spanisch auch nach nunmehr 3 Monaten hier immer noch mehr oder minder inexistent ist. Aber irgendwie kommen wir zurecht und verstehen zumindest einige von Sixtos zahlreichen Erklaerungen zur hiesigen Tier- und Pflanzenwelt (und wissen jetzt, dass maennliche Lamas deutlich hoeher leben als weibliche und nur einmal im Jahr zur Paarungszeit auf niedrigere Hoehen hinabsteigen).
Lamas ins rauhen Mengen - und immer gerne dort, wo grad der Weg langfuehrt (Merken: Solange die Ohren nach oben zeigen und nicht nach hinten, ist man vor Spuckattaken relativ sicher.)
Sixto erklaert die Welt.
Camping kann so malerisch sein...
... wenn auch kalt auf diesen Hoehen (man beachte die 4 Schlafsaecke - notwendig, absolut notwendig)
"Abendliches" Panorama (durchschnittliche Zubettgeh-Zeit: 19 Uhr)
Ronaldo - ein pfiffiger 5jaehriger, der uns an einem Nachmittag um die Haelfte unserer Suessigkeits-Vorraete bringt.
Die folgenden Tage sind dann im Grundkonzept alle recht aehnlich strukturiert: Gegen 7.30 Uhr Fruehstueck, Sachen zusammenpacken, 2-3 Stunden wandern (und meist direkt als erstes hoch, hoch, hoch), zum Mittagessen (das Sixto schon morgens vor dem Fruehstueck gekocht und vorbereitet hat) runter an irgendeinen malerischen See oder Fluss, dann wieder hoch, hoch, hoch und gegen 15 Uhr ankommen am Lager (wieder irgendwo am Wasser und meist auf ca. 4.700m), um erneut das Zelt aufzuschlagen und erst Tee serviert zu bekommen und spaeter ein leckeres, umfangreiches Abendessen.
Runter - auf dieser Hoehe eine wahre Freude (auch wenn es dabei manchmal erschreckend steil zugeht)
Mittagessen im Irgendwo.
Dazwischen liegen atemberaubende Panoramen, schmale steile Pfade, viele viele Lamas & Viscuchas (so eine Art Bergkaninchen), endlose tiefblaue Seen.... und nicht zuletzt reichlich Hoehenmeter. Zumindest fuer uns Flachland-Gringos. Denn trotzdem wir uns ja inzwischen schon eine Weile auf einer gewissen Hoehe aufhalten (und La Paz mit seinem 3.700m gar nicht mehr weiter ins Gewicht faellt), mussten wir feststellen, dass Wandern ab ca. 4.500m eine ganz andere und voellig unbekannte Dimension ist. Eine Ahnung davon bekommen wir bereits am zweiten Tag, als es erstmals auf 5.000m geht und wir buchstaeblich im Gaensemarsch "muy despacio" den Berg hochschleichen. Am dritten Tag steht dann der "Pico Austria" mit 5.250m auf dem Programm, der uns in jedem Sinne den Atem raubt: alle paar Meter anhalten, Luft schnappen und den Puls sich beruhigen lassen - und das ganze wohlgemerkt ohne Gepaeck. Ein wenig beschleicht einen das Gefuehl, entweder unglaublich untrainiert zu sein oder hier einfach nicht hinzugehoeren. V.a. wenn man sieht, wie der Guide (mit Rucksack) leichten Schrittes einen Pfad hochlaeuft, den man nur unter Stoehnen, Aechzen und staendigem Luft-schnappen bezwingt. Aber - wie so oft - es lohnt sich. Auf dem Gipfel angekommen koennen wir nicht nur Kilometer und Kilometer ueber das Altiplano, sondern tatsaechlich sogar bis zum Titicaca-See gucken. Unser erster echter Berg (alles andere - so wird uns jetzt klar - war definitiv nur Peanuts ;-))!
Der Berg ruft! Und das heisst erstmal ein Stueck klettern...

...dann hoch durch den Schnee (ja, Janni, du hast Recht gehabt ;-))...
und schliesslich freuen: Angekommen auf dem Gipfel!


Trotz unserer Begeisterung sind wir mehr als erleichert, dass es fuer diesen Tag nunmehr nur noch abwaerts geht. Sehr geschafft kommen wir am spaeten Nachmittag im Lager an und machen erstmal eine kleine Zelt-Siesta. Gut so, denn mehr Schlaf als wir nachmittags bekommen, wird es auch in der Nacht nicht geben. Schuld daran ist Bjoern, der von irgendeinem mysterioesen Virus befallen, alle 15 Minuten aus dem Zelt und auf das "baño naturales" muss - und das bei einer Temperatur, die nachts auf dieser Hoehe bei ca. minus 2-5 Grad liegt. Am naechsten Morgen bleibt uns nichts anderes uebrig, als Sixto mitzuteilen, dass wir leider schon heute, einen Tag frueher als geplant, nach La Paz muessen, da der sehr gebeutelte Bjoern zu schwach ist, um sich an weitere Hoehenmeter zu wagen. Der Versuch die Agentur zu kontaktieren scheitert (sehr filmreif!) daran, dass Sixtos Handy-Akku schon nach dem Waehlen den Geist aufgibt und ich - trotz eines eigens bestiegenen "Berges" - keinen Empfang kriege. Also Sachen gepackt und 2 Stunden ins naechstgelegene Dorf marschiert, von wo aus uns ein Mann in die Stadt bringt. Und ab ins Hotel, um den Bjoern wieder aufzupaeppeln.
Nachdem uns das nun recht erfolgreich gelungen ist, gehen wir heute nun ein wenig shoppen und steigen morgen das erste Mal in ein Flugzeug, um unser naechstes Ziel anzupeilen: den Nationalpark Madidi. Da wir ja auf dem Weg hierher feststellen mussten, wie eine bolivianische Strasse beschaffen ist, haben wir uns entschieden, lieber 45 Minuten in der Luft zu verbringen als 20 Stunden im Bus. Morgen also Start von El Alto aus und dann - Kontrastprogramm - ab in den Dschungel :-))
Bis bald!
Schoen :-)) Das bequemste und groesste Bett seit Monaten...
Minibar á la La Paz: Vor allem fuer Leute, die per Flugzeug anreisen, dueften die AMS-Pillen ein beglueckender Fund sein.
Ankommen im Morgengrauen: Der erste Blick auf die hoechste Metropole der Welt.
Ein Zebra erklaert den Zebrastreifen: Klingt sinnlos, ist aber bei dem etwas konfusen Verkehr durchaus nuetzlich. 
Nicht nur Deutschland stoehnt ueber hohe Strompreise: Hier demonstrieren indigene Bevoelkerungsgruppen fuer guenstigeres Licht.





Unsere zuverlaessigen Weggefaehrten: Toyota Landcruiser (die Strapazierfaehigkeit & Gelaendegaengigkeit eines solchen Autos ist schlicht unfassbar- mit 80km/h ueber absolut undefinierbare Pisten)
Altiplano abwechslungsreich: Wueste...
Seen - in ganz unglaublichen Farbtoenen... (Mist, nun komme ich doch nicht ohne die Bannwoerter aus ;-))
Bizarre Felsfomationen, die dem Wort "Erosion" eine ganz neue Bedeutung verleihen...
...und Geysire (scheinen hier dazu zu gehoeren wie die Gletscher zu Patagonien).
Lamas in Mengen: Man moechte fast das Stricken anfangen (... oder kriegt Appetit ;-)
Vicunias auf derFlucht.
Bjoern und ein Esel. Der Esel ist links (ja, ich weiss, HAHA, aber den Klassiker konnte ich mir nicht verkneifen).
Kakteen wachsen im Jahr durchschnittlich 4 cm. Diese hier sind also...aehh.. alt.
135 km in die Breite....
... ist 2 bis 7 Meter dick...
und sorgt fuer interessante Perspektiven!
Gluecklich im Bus: Hier kann man es aushalten.
Die "Hauptstrasse" von San Pedro.
Nur 2 km raus aus der Stadt und man steht mitten in der Wueste...
.... oder gleich mitten auf dem Mond: Bjoern im "Valle de la Luna", ...
Geysire bei Sonnenaufgang...
und bei hellem Tageslicht.
Nichts ausser Bjoern und unserem schicken Mietwagen: Das Altiplano ist hoch, leer & wunderschoen!
Und wen trifft man hier so, nahe der bolivianischen Grenze? Chilenische Drogenfahnder, die nach "Trafficantes" Ausschau halten (Drogen-Schmuggler, die Kokain per Rucksack nach Chile bringen): Wir scheinen unverdaechtig und werden um ein gemeinsames Foto gebeten. 

