Aber erstmal von Anfang an: Unsere Grenzueberquerung zurueck nach Chile gestaltete sich schon mehr als abenteuerlich. Als wir nach einer zweistuendigen Busfahrt am Lago del Desierto ankommen (zu windig fuer das Rad), von wo aus die Faehre gehen soll, ist dort niemand, der uns Auskunft geben koennte, fuer wann diese das naechste Mal erwartet wird (Wartungsarbeiten am Steg hatten den normalen Fahrplan ausgehebelt). Aber wir haben Glueck, schon am naechsten Morgen kommt ein Boot, mit dem wir uebersetzen koennen. Auf der anderen Seite hatten wir auf Pferde gehofft, um das anstregende "Bordercrossing" nur mit den Raedern, aber ohne Gepaeck zu vollziehen. Nach drei Stunden warten ist klar: hier kommt kein Pferd mehr. Also Vordertaschen in den Rucksack, aufgeschnallt und dann die Raeder den mehr als schmalen und steilen Waldweg hochgezerrt. In etwa so:


Grosse Freude, als wir die Grenze erreichen, denn von da aus, so sagte man uns, sollten wir die Raeder wieder benutzen koennen - und tatsaechlich, es ist steil und steinig, aber es geht und wir fahren runter zum wunderschoenen, postkartenblauen Lago O´Higgins.


1,5 Tage in Begleitung: Daniel aus Dresden ist mit uns auf Tour.


Lange Strasse, lang bergauf. Da es auf dieser Etappe ausser eine klitzekleinen Kiosk an einer Faehre sonst nichts ausser Natur gab, haben wir die zwei Naechte wild gecampt (und mussten dabei an einem Abend unsere Lagerstatt gegen eine sehr aufdringliche Kuh verteidigen - wie gut, dass man vom Land ist ;-)). Das fuehrte dann am zweiten Abend dazu, dass das Wasser knapp zu werden drohte. Am ersten Tag gab es noch reichlich Wasserfaelle direkt vom Gletscher, aus denen man sich sorglos bedienen konnte, aber bei normalen Fluessen ueberwiegt derzeit noch unsere Skepsis... So habe ich (Tina) mich denn gestern auf unserer Tour von einem Gaucho zu einer kleinen Farm fuehren lassen, die auch Camping anbietet und auf der wir Wasser und frisch zubereitete Tortas Fritas (Krapfen-artiges extrem fettig-leckres Gebaeck) kaufen konnten. Diese Staerkung konnten wir dann auch gut gebrauchen, denn die darauf folgende Strecke war mehr als anspruchsvoll: Erst rauf auf 520 Meter, dann immer wieder rauf, runter, rauf, runter - das war a) sehr gemein, weil man sich als Radfahrer die ganze Streigung lang damit aufrechthaelt, das man an die Abfahrt denkt - die dann manchmal einfach ausbleibt, und b) so gut wie unmoeglich zu fahren, weil der Untergrund von miserabel zu voellig unmoeglich wechselte: ein einziges Waschbrett und das Kilometer um Kilometer... (sogar auf steilen Abfahrten haben wir es dank des Gehuckels kaum ueber die 5 km/H geschafft). Als wir gestern Abend nach ueber 7 Stunden im Sattel (ich wiederhole, netto!) endlich in den Ort reinrollten (der tatsaechlich ueber asphaltierte Strassen verfuegt - ein unglaublicher Luxus derzeit) waren wir pure Erschoepfung. Das heisst: rein in den Supermarkt, Brot, Kekse und Cola, direkt aufgegessen, schnell Camping gesucht & Zelt aufgestellt und ab in ein "Restaurant" und weitergegessen (und ein paar kalte Cerveza getrunken ;-)) .
Heute heisst es nun fuer uns ausruhen, Vorraete aufstocken, waschen und - last but not least - essen (der Hunger hoert nach drei solchen Tagen gar nicht mehr auf). Und hoffen, dass uns das Wetter fuer die naechsten Tage gesonnen bleibt. Ab morgen gehts weiter Richtung Cohaique.
Das war nun also der erste Monat unserer Reise - die Zeit verfliegt! Noch zwei bis drei Wochen Richtung Norden auf der Carreterra, so rechnen wir. Und dann schauen, wie es weitergeht.
Eure Tina & euer Bjoern





Und ein Tisch auf dem Gletscher - fuer unsere "Erfrischung" nach dem kleinen Treck.
Bjoernie vor der Abbruchkante des Grey-Gletscher.
Erste Aussicht auf den Grey-Gletscher vom erfolgreich (wenn auch mit Muehe ;-)) bewaeltigten Pass... (der Gletscher ist uebrigens nicht der Berg im Hintergrund, wie man vermuten koennte, sondern das Weisse zu seinen Fuessen, das sich auf meiner Kopfhoehe befindet).
Gletscher-Seen: Sehen warm aus, sind es aber nicht... 







