Dienstag, 8. April 2008

San Pedro de Atacama

Kaum sind die Raeder weg (nein, kein Aprilscherz, Ben ;-)), bewegen wir uns gleich in ganz anderen Dimensionen fort. Seit Freitag sind wir nun in San Pedro, eine Oase mitten in der Atacama-Wueste, die als die trockenste Wueste der Erde gilt. Und die um die 3.000 km noerdlich von Pucon im Norden Chile, unmittelbar der bolivianischen Grenze liegt. Hierher zu kommen hat uns insgesamt 36 Bus-Stunden gekostet mit einem kurzen Zwischenstopp fuer einen Tag in Copiapò, einer geschaeftigen kleinen Stadt an der Panamericana, in der Gringos so selten sind, dass wir prompt auf der Strasse von den hiesigen Carabinieris angesprochen wurden, um uns vor Taschendiebstaehlen zu warnen (das haette mal die Conaf im Nationalpark tun sollen ;-).

36 Stunden im Bus - das klingt erst mal nach purem Horror. Eingequetscht in einer Sardinenbueche, unmoeglich auch nur ein paar Minuten Schlaf zu finden. Weit gefehlt, wenn man in chilenischen Bussen reist, die mit dem deutschen Standard nicht viel gemein haben. In einem breiten Sessel gekuschelt, der sich nahezu vollstaendig in eine angenehme Liegeposition bringen laesst, haben wir die beiden Naechte hier fast besser geschlafen als so manche Nacht im Zelt...

Gluecklich im Bus: Hier kann man es aushalten.

So kamen wir dann am Freitag recht ausgeruht zur Mittagszeit in San Pedro an, einer Stadt, die so ganz anders ist als all die anderen chilenischen Staedte, die wir bisher zu Gesicht bekommen haben. Auf der einen Seite ist es hier nochmal touristischer als in Pucon (was wir vor einigen Tagen noch fuer gaenzlich unmoeglich gehalten haetten). Aber obwohl sich hier Travel Agencies dicht an dicht draengen, einzig unterbrochen von einer wahren Armada an Restaurants, ist es dem Staedtchen mit seinen staubigen Strassen und den niedrigen Lehmgebaeuden gelungen, seinen Wuesten/Oasen-Charme zu bewahren.

Die "Hauptstrasse" von San Pedro.

Dass sich hier eine Unzahl an Reisenden aus aller Welt rumtreibt hat einen trifftigen Grund: In San Pedro duerfe man sich ohne Schwierigkeiten 2 Wochen lang aufhalten und dabei jeden Tag eine neue spannende Tour unternehmen koennen (Wuesten-Trips, Sand-Boarding, Vulkane, Geysire...) - nicht zu vergessen, dass man jeden Abend in einem neuen schicken Restaurant speisen kann ;-))

Nur 2 km raus aus der Stadt und man steht mitten in der Wueste...


.... oder gleich mitten auf dem Mond: Bjoern im "Valle de la Luna", ...

... wo vor allem die Sonnenuntergaenge unvergessliche Aussichten bescheren.

Fuer uns ist San Pedro gleichzeitig der Ausgangsort fuer unsere weitere Reise nach Bolivien. In einer 3-taegigen Jeeptour geht es von hier nach Uyuni, das im suedlichen Teil des bolivianischen Altiplanos liegt. Da uns diese Tour zwischendurch auf neue ungeahnte Hoehen bringt (gleich die erste Uebernachtung ist auf 4.400 m), haben wir uns entschlossen erstmal ein wenig Akklimatisierung zu betreiben, um uns an die Hoehe zu gewoehnen. Schliesslich soll uns diese in Bolivien noch eine Zeit lang auf einigen sehr schoenen Trecks, die wir ausfindig gemacht haben, begleiten. Um also schon mal ein bisschen Hoehenluft zu schnuppern, sind wir am Sonntag mit einer Tour zu den Geysiren von El Tatio (4.300 m) gefahren: 3.30 Uhr aufstehen, 4 Uhr Start, um bei beginnendem Sonnenaufgang und bei minus 6,5 Grad auf dem wunderschoenen Bergplateau anzukommen. Die fruehe Uhrzeit ist Pflicht, weil die Geysire in der Regel nur zwischen 6 und 8 Uhr aktiv sind. Nach einer kurzen Fotosession spuere ich erste Schwindelgefuehle und schon bald muss ich mich hinsetzen, um nicht gaenzlich in Ohnmacht zu fallen. Erste Anzeichen von Hoehenkrankheit? Ich bin lieber vorsichtig und bleibe beim naechsten Stop, den Thermen, in unserem kleinen Buesschen sitzen und geniesse die Landschaft von drinnen. Auch schoen, aber Sorgen machen sich breit. Denn wenn ich - wie ich ja irgendwie schon immer befuerchtet habe - anfaellig fuer AMS (acute mountain sickness) waere, dann waeren unsere ganzen schoenen Bolivien-Plaene gestorben.Geysire bei Sonnenaufgang...
und bei hellem Tageslicht.


Aber wer wird schon so frueh aufgeben? Also starten wir am naechsten Tag einen neuen Hoehenversuch, mieten uns gemeinsamen mit unseren hollaendischen Freunden einen PickUp und fahren am naechsten Tag auf den Paso de Jama-Pass, der groesstenteils ueber 4.500 m nach Argentinien fuehrt. Dieser Trip beschert uns nicht nur einen atemberaubenden Tag auf dem Altiplano, sondern auch die Sicherheit, dass wir alle doch recht hoehenfest sind. Bis auf eine leicht Duseligkeit im Kopf, die einen ab 4.500 m befaellt, sind keine Ausfaelle festzustellen. Und das obwohl wir insgesamt bis auf 4.730 hochfahren (zum Vergleich: der Montblanc, hoechster Berg Europas, kommt auf 4.800 m). Am Vortag haben mich anscheinend doch "nur" die giftigen Schwefelgase aus den Geysiren niedergestreckt (was muss ich Depp auch Makro-Aufnahmen machen ;-))). Nichts ausser Bjoern und unserem schicken Mietwagen: Das Altiplano ist hoch, leer & wunderschoen!
Und wen trifft man hier so, nahe der bolivianischen Grenze? Chilenische Drogenfahnder, die nach "Trafficantes" Ausschau halten (Drogen-Schmuggler, die Kokain per Rucksack nach Chile bringen): Wir scheinen unverdaechtig und werden um ein gemeinsames Foto gebeten.



So fuehlen wir uns nun gut geruestet, um gemeinsam mit Ube und Nicole die Jeep-Tour nach Uyuni zu buchen. Donnerstag gehts los, am Samstag Mittag sollen wir ankommen. Und sofern auch Bolivien ueber halbwegs akzeptable Internet-Verbindungen verfuegt, werden wir uns groesste Muehe geben, euch schnell Bericht zu erstatten :-))

Ganz liebe Gruesse, nun wohl das letze Mal aus dem wunderschoenen Chile!
Tina & Bjoern

Dienstag, 1. April 2008

Bye, bye Bicis

Es ist soweit - nachdem wir inzwischen "Bergfest" hatten und uns nun "nur" noch knapp mehr als 6 Wochen bleiben, haben wir beschlossen, unsere Fortbewegung ein wenig zu beschleunigen. Gestern haben wir schweren Herzens (und nicht zu vergessen unter ebenso grossem Aufwand) unsere Raeder der chilenischen Post anvertraut... ein komisches Gefuehl, fast meint man, unsere schoene und langersehnte Reise sei nun schon vorueber. Aber in Wirklichkeit geht es gluecklicherweise heute Abend weiter, wenn nun auch - wie die vielen Backpacker hier - mit dem Bus statt mit dem Rad. Dafuer werden wir nun einen Riesensprung machen und bis nach Copiapo, Nord-Chile, fahren. 24 Stunden im Bus, nur unterbrochen von einmal Umsteigen in Santiago. Allerdings haben wir zumindest fuer die heutige Nacht "Full-Cama" (Cama=Bett) gebucht: die Edelvariante des Busreisens, bei der man sich sogar komplett hinlegen koennen soll. Von Copiapo machen wir dann entweder noch einen kleinen Trip durch einen weiteren Nationalpark (die es hier - ich glaube wir erwaehnten es bereits - wie Sand am Meer gibt) oder es geht auf direktem Weg nach Bolivien.

Soweit zu den Plaenen fuer die kommenden Tage und Wochen.

Rueckblick: Der Nationalpark Huerquehue (ein Name, dessen Aussprache sich mir 100%ig verschliesst), den wir in der letzten Wochen gemeinsam mit Ube und Nicole besucht haben, war wunderschoen. Eigentlich kann man sich das inzwischen fast sparen, schliesslich haben uns bisher saemtliche Parks begeistert.. aber man will es ja mal der Vollstaendigkeit halber erwaehnt haben ;-)) Allerdings konnten wir nicht ganz so wie wir wollten. Nachdem wir die ca. 35 km bis in den Park, v.a. gegen Ende mal wieder huebsch steil bergauf, gefahren waren und dort unsere Raeder und das wandertechnisch ueberfluessige Gepaeck bei der Parkverwaltung zur Lagerung abgegeben hatten, haben wir unser Zelt gegen Abend an einem unheimlich idyllischen Bergsee aufgestellt.
Wenn es nachts kalt ist (und das war´s) , dampft der See morgens eifrig vor sich hin.

Am naechsten Morgen musste Bjoern dann feststellen, dass das was er am Vortag noch als leichtes Halskratzen abgetan hatte, sich inzwischen zu einer ausgewachsenen Erkaeltung gemausert hatte (die im uebrigen nicht nur ihn, sondern auch direkt den Ube ein Zelt weiter, erwischt hat). Mit Erkaeltung ist schlecht bergauf wandern mit 20 kg auf dem Ruecken, also nur die leichtere Variante: kurze Strecke, leichtes Gepaeck, nichtsdestotrotz aber bergauf - das scheint sich in diesem Land selten verhindern zu lassen... Hier hatten wir nun auch das erste Mal volle Sicht auf Chiles beruehmten Araucaria-Baeume, die in diesem Park dicht an dicht stehen.
Unser See, dahinter der eben erst erklommene Villarica nun mal in der Totale.

Wer einmal chilenischen Kaffee getrunken hat (nichts als Instant-Bruehe), der weiss dieses Schild zu schaetzen.

Am naechsten Tag wieder ein Kurztrip und wieder maechtig bergauf. Allerdings mit mehr als lohnender Panorama-Ansicht, als wir erstmal das Chinchol-Plateau erklommen haben: Gleich vier Vulkan-Kegel praesentieren sich uns vor einem tiefblauen Himmel.. grandios!
Pause mit Aussicht...
Alles, was oben spitz ist (und oft noch viel mehr) ist ein Vulkan.
Kleiner Bjoern, vor grosser Kulisse.

Fuer den kommenden Tag steht nur "Zurueck nach Pucon" auf dem Programm - schon deswegen unvermeidlich, weil uns und unseren hollaendischen Freunden langsam aber sicher die Lebensmittel ausgehen (das ist wirklich faszinierend, wie schnell der Inhalt eines vermeintlich riesengrossen Essensbeutels in sich zusammenschrumpft, v.a. wenn man den Tag ueber wandern geht und abends mit Riesenhunger zurueck kommt ;-)). Also: Sachen zusammengepackt und auf zur Parkverwaltung, um die Raeder abzuholen. Schnell stellt Bjoern fest, dass der Tacho fehlt. Abgefallen, so vermuten wir, und suchen den Platz rund um die Raeder ab. Ergebnislos. Eingermassen frustriert brechen wir auf, denn ohne Radcomputer wird es deutlich schwerer, die Route anstaendig einzuschaetzen: keine Informationen mehr ueber die gefahrene Strecke und was einem entsprechend noch bevorsteht, noch ueber die erreichten Hoehenmeter und was man wiederum diesbezueglich noch zu erwarten hat (ganz abgesehen davon, dass die Teile ja nun auch nicht umsonst sind). Knapp 2 km hinter dem Park faellt Bjoern auf, nicht nur unser Tacho ist weg, auch sein Mini-Multifunktions-Fahrradwerkzeug, das er in einem kleinen Taeschchen am Lenkrad aufbewahrt hat. Nun wissen wir zumindest, dass wir tatsaechlich das erste Mal offiziell in Chile beklaut wurden. Und das nicht in irgendwelchen Touri-Staedten, an Busstationen oder ueberfuellten Campings, sondern im nahezu leeren und idyllischen Nationalpark. Nicht ohne eine gewisse Ironie ;-)

Wir beschliessen, dass es nicht viel Sinn macht, sich zu aergern, sondern freuen uns lieber, dass die Raeder als solches noch da sind. Das duerfte wohl der Tatsache geschuldet sein, dass ein unauffaelliger Abtransport aus dem Nationalpark recht schwer zu arrangieren gewesen sein duerfte. Nicht, dass der Verlust von Werkzeug und Radcomputer entscheidend war, aber dass wir beides nochmal haetten nachkaufen muessen (nachdem auf unserer aktuellen Nachkaufliste immerhin schon ein Schaltauge, eine Shimano XT-Schaltung, Wanderschuhe und eine selbstaufblasbare Luma stehen...), war es vielleicht doch das beruehmte Zuenglein an der Waage.

Nun sind wir ganz im Zeichen des Aufbruchs, denn so nett und niedlich Pucon ausserhalb der High Season auch sein mag, nachdem wir hier nun inzwischen 1,5 Wochen verbracht haben, wird es Zeit. Und nun, wo es uns gelungen ist, nach einer ebenso zeitintensiven wie nervenaufreibenden Suche nach Verpackungsmaterial, die Raeder tatsaechlich zur Post zu bringen und diese dazu zu bewegen, das Riesen-Paket auch entgegenzunehmen, steht der Weiterfahrt nichts mehr entgegen.
Viel Karton und mehr als 100-Meter Klebeband: Hoffentlich hilfts..

Transport zur Post mit freundlicher Unterstuetzung aus Holland ;-)

Mal wieder seid ihr aufgerufen, uns - oder vielmehr unseren Raedern - die Daumen zu druecken: Auf dass sie ihre grosse Reise ueber den Ozean unbeschadet ueberstehen!

Liebe Gruesse von Backpacker-Bjoern & Backpacker-Tina ;-)

Dienstag, 25. März 2008

Pucon

Hier sind wir nun - in der ersten chilenischen Stadt ueberhaupt, die das Konzept Tourismus verstanden, wenn nicht gar perfektioniert hat. Und wir sind sehr froh, dass es uns erst in der Nachsaison hierher verschlagen hat ;-) Pucon besteht nahezu ausschliesslich aus vier Arten von Geschaeften: Restaurants, Hostals, Internet-Cafès und Anbietern von Trecking-Touren (Rafting, Vulkan-Touren, Reiten etc.). Und diese vier wechseln sich am Strassenrand munter ab, evtl. mal durchbrochen von einem Supermarkt oder - welch Freude fuer den inzwischen zotteligen Bjoern - einer Peluqueria (Friseur). Trotz dieser extrem touristischen Ausrichtung ist Pucon, gelegen an einem wunderschoenen See und umgeben von gleich mehreren Vulkanen, nicht uncharmant.

Unser Weg hierher war mehr von Zufall gepraegt, als einer tatsaechlichen Reiseroute gefolgt. Nachdem wir in Purto Montt die Carreterra endgueltig hinter uns gelassen haben, muessen wir uns nun wieder ganz neu orientieren. Dass es Richtung Norden geht, ist natuerlich soweit klar (schliesslich muessen wir Mitte Mai in Lima sein), aber ueber welche Wege (im Gegensatz zu Suedchile gibt es hier tatsaechlich nicht nur eine Option sondern immer gleich mehrere Alternativen - das sind wir nicht mehr gewoehnt) und wo Rad fahren, wo mal in den Bus, der sich auf der weiteren Strecke kaum vermeiden lassen wird, das ist nicht immer einfach zu entscheiden. All diese fuer uns neuen Entscheidungsfindungen haben dazu gefuehrt, dass wir von Pt. Montt aus erst am zweitgroessten See Chiles, dem Lago Llanquihue, entlanggefahren sind - immer in Richtung des Vulkan Osorno mit einem echten Bilderbuchkrater.
Angeblich einer der "perfektesten" Vulkane der Welt: der Osorno.

Abends campen wir - gemeinsam mit unseren neuen hollaendischen Freunden Nicole und Ube in Ensenada direkt am See. Da dies einer der ersten Seen ist, den wir sehen, der nicht von einem oder gleich mehreren Gletschern gespeist wird, wagen wir einen Sprung hinein und finden erstmals Verwendung fuer unsere bis dato umsonst mitgeschleppten Badesachen ;-)) Schoen - v.a. wenn als Alternative ansonsten nur die nie wirklich schoenen Camping-Duschen zur Verfuegung stehen. Am naechsten Tag wollen wir weiter Richtung Norden, rund um den See und uns dann Richtung Tres Lagos orientieren. Hier machen uns unsere neu erworbenen Strassenkarten (der hier so beliebte "Touristel") einen Strich durch die Rechnung: Aufgrund der mal zweifelhaften, mal voellig falschen Angaben, landen wir statt in Tres Lagos am Ende des Tages in Puerto Octay, einem netten, ueberraschend wohlorganisiertem Oertchen, der wie viele hier, deutsche Wurzeln hat. Am naechsten Tag koennen wir entweder etliche Kilometer zurueckfahren, um doch noch nach Tres Lagos zu kommen, oder die naechste Stadt, Osorno, ansteuern. Wir entscheiden uns fuer letzteres - vor allem motiviert durch die Landschaft, die zwar schoen ist, uns aber zusehends an die niedersaechsische Pampa erinnert. Und die kennen wir einfach schon zur Genuege ;-))
Schon wieder zu Hause? Man meint gleich ein Schild "Stedingsmuehlen" zu sehen ;-))

Osorno erweist sich als recht grosses Staedtchen (ca. 150.000 Einwohner), in dem es ausser uns keinen einzigen Gringo zu geben scheint - und so stechen wir einigermassen aus der Masse heraus. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist Osorno uns recht sympathisch und wir bleiben zwei Tage (unter anderem Karfreitag, an dem hier die Kneipen ebensowenig geoeffnet haben wie in unserer schoenen katholischen Heimat - also gabs nur Bier im Hostal ;-)). Am Ostersamstag gehts weiter mit dem Bus, um wieder in landschaftlich spanndere Regionen vorzustossen. Am Busbahnhof treffen wir ueberraschend Nicole und Ube wieder, die wir zwei Tage vorher verloren hatten und die wir in Tres Lagos waehnten (dieser Ort scheint kein Glueck mit Touristen zu haben, keiner findet den Weg dorthin ;-)). Auch sie zieht es nach Pucon (die Gegend, die uns zu niedersaechsisch ist, erscheint ihnen viel zu hollaendisch ;-)). Eine ca. vierstuendige Busfahrt spaeter kommen wir bei strahlendem Wetter an und suchen uns einen schoenen Platz auf einem etwas heruntergekommenen Camping-Platz, der dafuer direkt am See liegt. Als erstes machen wir uns auf den Weg, um einen Anbieter zu finden, der uns Pucons groesste - und gleichzeitig hoechste - Attraktion, den Vulkan Villarica, naeher bringt. Das groesste Problem ist es hier, sich zwischen geschaetzten 30 Agenturen zu entscheiden, die alles in allem den gleichen Service bieten: Anfahrt zum Vulkan, Tour-Guide & Ausruestung bestehend aus Helm, Spitzhacke, Crampons (Steigteisen), Schuhe, Gamaschen & "Arschleder" (zu letzterem spaeter mehr).

Schon am naechsten Morgen, dem Ostersonntag, (wir haben Glueck, das Wetter ist uns hold... am Vortag musste wg. Wind abgebrochen werden) geht es um 7 Uhr frueh los. Ueber Pisten, neben denen die Carreterra wie eine gut ausgebaute Strasse anmutet, werden wir den Berg bis auf ca. 1.400 Meter hochgefahren. Hier gibt es einen Lift, der uns die weiteren 400 Meter hochfahren soll. Die Betonung liegt auf "soll", denn in Wirklichkeit ist die Anlage aus und wir machen uns zu Fuss auf den Weg.
Nach einem ordentlich Stueck Steigung, auf dem es bereits die ersten Verluste gibt (einer von zwei Israelis aus unserer Gruppe, der nach seinen drei Jahren Militaerdienst hierher kommt, faellt deutlich ab und kriegt von einem unserer beiden Guides weit hinter dem Rest eine Einzelfuehrung ;-)), beginnt der Gletscher und wir machen unsere Steigeisen startklar. Durch einen Eiskanal und ein anschliessendes Eisfeld bahnen wir uns unseren Weg nach oeben.


Der letzte Part Richtung Gipfel wird tatsaechlich noch steiler. Ueber lose Lavasteine, die sich alle Nase lang loesen und den Berg runterpoltern, klettern wir - nun wieder nur in Wanderschuhen - die letzten paar Hundert Meter hoch und erreichen schliesslich gegen 14 Uhr den Krater auf ueber 2.800 Metern Hoehe.
Kleine Pause am Hang, um von Crampons auf Schuhe umzusteigen.

Vor dem Krater - im Gegensatz zu einigen anderen Mitreisenden halten wir noch einen gewissen Sicherheitsabstand.
2.800 Meter sind ganz schoen hoch - bei dem phantastischen Wetter haben wir einen phaenomenalen Ausblick (u.a. auf 6 weitere Vulkane in der naeheren Umgebung).

Wenn man zwischendurch geneigt war, das Ganze fuer eine normale Bergwanderung zu halten, wird man nun deutlich daran erinnert, dass der Villarrica nicht nur ein Vulkan ist, sondern ein recht aktiver (idR bricht er alle 12 Jahre aus) noch dazu: Von tief unten aus dem Krater steigt nicht nur eine langgezogene Rauchwolke, auch ein lautes Donnern und Grollen weist darauf hin, dass hier im Untergrund alles andere als Ruhe herrscht. Unser Guide zeigt sich aber nicht im Geringsten beunruhigt, Rauch und Laerm seien normal, der Vulkan wuerde permanent beoachtet und man wuede schon einen Monat vor Ausbruch wissen, dass dieser bevorstehe. Worte, denen wir angesichts des erst kuerzlich ausgebrochenen Nachbarvulkans Llaima, der eine sehr kurzfristige Evakuierung notwendig machte, nur bedingt Glauben schenken. Aber was solls: der letzte Ausbruch des Villarrica war 1984. Damit ist er zwar ueberfaellig, wird sich aber die paar Tage unserer Anwesenheit sicher noch Zeit lassen (zugegebenermassen hat mich ein Alarm, der vor wenigen Minuten durch das Internet-Café droehnte, einigermassen beunruhigt - aber wir haben von unserem Platz aus direkten Blick auf die Vulkan-Aktivitaetsampel - und die strahlt in beruhigendem Gruen ;-)).
Und falls die Ampel doch mal auf Rot wechselt: Hier gehts lang.

Der Rueckweg erweist sich freundlicherweise als deutlich weniger beschwerlich: Ueber das Gletschereis brauchen wir nun nicht mehr mit den Steigeisen zu kraxeln, sondern koennen hier mit dem umgeschnuertem Arschleder runterrodeln. Und auch das letzte Stueck geht schneller als gedacht. Durch tiefen und feinen Vulkansand geht es ebenso kniefreundlich wie schnell nach unten.
Erst noch zu Fuss nach unten...
und das auch recht steil....
dann einfach fallen lassen...
und am Schluss locker laufen lassen.

Nachdem wir uns nun gestern ein wenig ausgeruht haben, bereiten wir heute unsere naechste Tour vor. Gemeinsam mit Nicole und Ube wollen wir nun fuer einige Tage in einen nahe gelegenen Nationalpark, wo wir statt mit Rad nur mit Rucksack und Zelt durch die Gegend ziehen werden. Nachdem es heute ein wenig bewoelkt ist, verspricht uns Meteochile ab Donnerstag strahlenden Sonnenschein - genau das richtige Wetter fuer die zahlreichen Seen, die uns in dem Park erwarten. Danach gehts wieder hierher zurueck, um dann den weiteren Weg nach Norden zu planen.

Nach diesem ausfuehrlichen Bericht habe ich mir nun erstmal ein leckeres Stueck Kuchen verdient - das hier praktsicherweise sogar ebenfalls "Kuchen" heisst.

Buen provecho auch euch ;-))

Tina & Bjoern (letzterer nun wieder gewohnt kurzhaarig)


Montag, 17. März 2008

Puerto Montt

Statt mit dem Rad mit einer Faehre die naechste Reisestation anzulaufen, klingt eigentlich nach "easy going"... Ticket kaufen, hinsetzten, zuruecklehnen, fahren lassen. Das kann aber auch anders sein, ganz anders. Gestern haben wir spontan beschlossen, dass wir direkt am gleichen Tag von Chaiten aus starten wollen: Die Faehre nach Puerto Montt sollte abends um 22 Uhr ablegen, das Buero, um Tickets zu kaufen, oeffnet zwei Stunden frueher. Weil wir sichergehen wollten, ohne Reserierung einen Platz zu bekommen und unsere Sachen damit nicht umsonst zusammengepackt zu haben, sind wir zeitig vor dem Buero der Faehrgesellschaft aufgetaucht. Damit waren wir dann auch eine der ersten in der gar nicht mal unbetraechtlichen Schlange, als kurz vor 20 Uhr geoeffnet wurde. Geoeffent ja, Tickets verkauft nein. Aus unerfindlichen Gruenden war - und das anscheinend in der ganzen Stadt wie wir spaeter erfahren haben - der Strom ausgefallen. Und ohne Computer, in dem die Reservierungen gespeichert waren, erwies sich die Buchung als schwierig bis unmoeglich. Also warten... und zwar mehr als eine Stunde, in der immer deutlicher wird, dass es sich um eine sehr sehr kleine Faehre handelt (trotz 10-stuendiger Fahrt), auf der es kaum noch Plaetze gibt. Unser Mann am Ticket-Counter haelt sich durchgehend sehr "bedeckt" bis er - 30 Minuten vor Start - verkuendet, ganze sieben Plaetze seien noch zu haben. Wir beissen uns durch, ergattern ein Ticket und hasten los durch stockdunkle Nacht und stroemendem Regen zum 500 Meter entfernten Faehranleger.

Unsere Freude, es auf das Boot geschafft zu haben, waehrt nur kurz, als wir sehen, wie wir fuer die Nacht untergebracht werden - naemlich gar nicht. Kleine schmale Sitzbaenke, in einem Raum, der kaum 20 qm misst und in dem sich ca. 30 Leute quetschen. Auf Schlaf, und sei er noch so kurz, wagen wir kaum zu hoffen. Zufaellig stellt sich heraus, dass eine Hollaenderin, die mit ihrem Freund ebenfalls mit dem Rad auf der Carreterra unterwegs war, und die direkt neben Bjoern sitzt, auch heute Nacht unter diesen phantastischen Bedingungen in ihren Geburtstag reinfeiert ;-)) Um Mitternacht stimmen wir ein Liedchen an und stossen draussen an der Reling mit einem leckeren Tetrapack-Wein an (kein Scherz, den kann man hier tatsaechlich trinken). Unsere beiden Leidensgenossen machen es sich schliesslich in Ermangelung irgendeiner Form von Schlafmoeglichkeit unter einem LKW auf einem Bett aus Schwimmwesten bequem. Wir arrangieren uns so gut es geht mit dem vorhandenen Mobiliar....

Eine Muetze voll Schlaf - irgendwie wird es schon gehen.

Entschaedigt werden wir mit einem wunderschoenen Sonnenaufgang unter endlich wieder blauem Himmel und mit einigen Delphinen, die - allerdings mit einigem Abstand - immer mal wieder in Sichtweite auftauchen.

Die Sonne steigt - und mit ihr unsere Laune :-)

In Puerto Montt finden wir zusammen mit unserern neuen hollaendischen Bekannten ein sehr schnuckeliges Hostal (seit sechs Wochen das erste echte Handtuch - das ist Luxus!), in dem uns das aeltere Paerchen, das den Laden fuehrt, mit einem leckeren Fruehstueck unsere Lebensgeister zurueckholt. Nun erkunden wir ein wenig die Stadt, die wir - so wie es derzeit aussieht - schon morgen wieder verlassen werden. Von hier aus koennten wir nun auf der Panamericana in 1.300 km nach Santiago fahren. Stattdessen werden wir uns auf kleinen Strassen durch das Seengebiet, in dem es einige der aktivsten Vulkane des Landes zu bewundern gibt, eher langsam und weniger straight Richtung Norden hocharbeiten.

Und zum Schluss noch einmal die allerherzlichsten und besten Glueckwuensche an unser anderes Geburstagskind: Liebe Claudia, ich hoffe du geniesst deinen Tag aehnlich in vollen Zuegen wie Bjoern ;-)) Liebste Geburtstags-Gruesse von

Tina & Bjoern

Sonntag, 16. März 2008

Chaiten

Ausnahmsweise laeuft mal etwas wie geplant - in den letzten beiden Tagen haben wir nun die verbleibenden 150 km nach Chaiten zurueckgelegt und warten hier nun auf unsere Faehre nach Puerto Montt. Die faehrt heute Abend um 22 Uhr ab und ist dann - je nach Wetter - 10-14 Stunden unterwegs. Dementsprechend sollten wir morgen in den fruehen Morgenstunden ankommen, und erleben dann sicher erstmal den totalen Kulturschock. Nach 3 (oder sind schon 4??) Wochen auf der Carreterra die erste wirkliche Stadt! Um euch ein Beispiel zu geben, wie einsam es hier wirklich ist: Vorgestern in La Junta habe ich verzweifelt versucht, etwas zu lesen zu ergattern (meine Buecher sind mir in der letzten Woche endgueltig ausgegangen :-(). Auf englische oder gar deutsche Buecher hatte ich erst gar nicht zu hoffen gewagt, aber eine chilenische Zeitschrift haette mich schon voellig zufrieden gestellt. Auf meine Frage nach einer solchen oder auch einer Zeitung wurde ich in dem immerhin 3.000-Einwohner-Ort nach Coyhaique bzw. hier nach Chaiten verwiesen. Sprich: 150 km nach Norden oder 250 km nach Sueden, nur um eine Zeitung zu ergattern! Vielleicht koennt ihr euch vorstellen, wie fremd wir uns morgen in der 160.000-Einwohner-Metropole Pt. Montt fuehlen werden, wobei... ich denke, wir werden uns schnell wieder an die Zivilisation gewoehnen ;-))

Damit endet nun auch unsere Fahrt auf der Carreterra. Die letzten Kilometer Richtung Norden koennen wir nicht mehr machen, weil die entsprechenden Faehrverbindungen fuer diese Saison bereits eingestellt wurden. Dafuer hat die Strecke die letzten beiden Tage noch einmal alles gegeben. Dieses Mal vor allem auch wettertechnisch: Vorgestern hatten wir Hitze pur, kein Lueftchen wehte, kein Woelkchen am Himmel. Sonne, Sonne, Sonne. Grundsaetzlich schoen, beim Radfahren aber irgendwann doch zuviel, zumal der Wasserverbrauch ins unermessliche steigt (... und irgendwann versagt sogar Lichtschutzfaktor 50). Gestern dann das komplette Gegenteil: Regen. In Sturzbaechen und ununterbrochen, einzige kleinste Variationen in der Menge (mal schuettete es aus Kuebeln, dann wieder nur wie aus Eimern ;-)). Normalerweise waeren wir unter solchen Umstaenden erst gar nicht gestartet, aber unser Domizil in Villa Santa Lucia war so anheimelnd nicht - wie auch der ganze Rest des Dorfes (ein unglaublich malerischer Name fuer einen sehr trostlosen Ort... sogar die hier unvermeidlichen Hunde waren ganz aus dem Haeuschen vor Freude ueber die Abwechslung, die sie in uns bekommen haben).

Also in stroemdenen Regen ueber - mal wieder - 1.000 Hoehenmeter hierher nach Chaiten. Zum Lohn fuer eine harte Tour haben wir dann abends das Hostal unserer Traeume gefunden: Wunderschoen eingerichtet, sauber, ein Bad mit echten Fliesen, eine tatsaechlich benutzbare Kueche... das sind alles Dinge, die hier eher die Ausnahme als die Regel darstellen. Werde nachher noch schnell ein Bild machen und die Tage einstellen. Hier werden wir nun rausgeschmissen, Siesta beginnt.

Bis bald (aus der grossen Stadt ;-)),
Tina & Bjoern

Donnerstag, 13. März 2008

La Junta

Danke fuer die lieben Genesungswuensche fuer Bjoerns Rad (natuerlich immer abgesehen von Jannys ;-)) - sie waren von Erfolg gekroent. Seit wir am letzten Sonntag in Coyhaique gestartet sind, waren unsere Raeder mal wieder allerhand Strapazen ausgesetzt, und bisher ist nichts (wesentliches) gebrochen, abgefallen oder hat sich aufgeloest. Und das trotz zwischendurch boesestem "Ripio", einigen sehr harten bzw. Material-strapazierenden Abfahrten und insgesamt 260 km. Und derweil haben wir in de letzten Tagen nun auch endlich die 1.000 km-Marke geknackt (das haben wir ins unseren bisherigen Urlauben in der Regel nach 2.5 Wochen - hier gehts doch um einiges langsamer voran). Dafuer stellen wir nach oben hin einen neuen Rekord auf: bei den zurueckgelegten Hoehenmetern liegen wir bei ca. 13.000 ;-))

Zu unserer Tour: Von Coyhaique aus hatten wir die Wahl: lang (120 km), glatt (neuester Asphalt) und voller - oder kurz (73 km), rau (Wellblech auf kleinen fiesen Steinen) und leer. Verwoehnt vom Asphalt vor der Stadt hatten wir die letzten Ripio-Strapazen schon vergessen und uns fuer letzteres entschieden. Und dann hiess es ackern, ackern, ackern. Denn nicht nur, dass uns der Untergrund heftig zugesetzt hat, es gin auch konsequent rauf & runter, rauf & runter... Aber wie immer phantastisch anzuschauen - wenn man denn Gelegenheit gefunden hat, die Konzentration von der Strass ab- und der Umgebung zuzuwenden ;-)) Gecampt haben wir dann wieder auf einem dieser bestens ausgestatteten Conaf-Campings.
Am naechsten Tag gabs erst 20 km schoenen Aphalt, der dann schlagartig von faustgrossen Steinen abgeloest wurde. Das fiese daran ist, dass man zwischendurch immer wieder knapp die Kontrolle ueber das eigene Rad verliert, weil man nur nch von Stein zu Stein springt statt wirklich zu fahren. Umso groesser unsere Freude als wir eines dieser wunderschoenen Schilder mit der Aufschrift "Inicio Pavimento" sehen... tatsaechlich ein Stueck Asphalt, das ins unsere Karte noch nicht eingetragen war. Ein Geschenk des Himmels ;-))
Juhu! Hier macht das Ripio mal Pause :-))

Aber man kriegt ja nichts geschenkt, v.a. nicht auf der Carreterra. Denn nun haben wir zwar eine schoene Strasse und kommen gut voran - dafuer gibt es im naechsten Ort keine Uebernachtungsmoeglichkeit fuer uns und wir sind gezwungen, uns so durchzuschlagen. Und immer dann, wenn man wild campen will, tauchen links und rechts diese langen langen Viehzaeune auf. Statt der geplanten 55 km wurden es dann knapp 80 km, bis wir unser Zelt aufschlagen konnten.

Tag drei bringt eine schlagartige Aenderung der Vegetation mit sich: Urwald, dichtes gruenes Gewaechs und Monster-Rhabarbar, der sich immer naeher an den stetig schmaler werdenden Pafd schmiegt. Von Strasse kann hier eigentlich kaum noch die Rede sein. Auch Autos, die ohnehin schon selten sind, kriegt man kaum noch zu Gesicht.
Gruen, gross und bestimmt essbar - Monster-Rhabarbar (wie auch immer dieser Frucht sich schreibt).
Bjoern vor einer erkennbar genutzten Leitplanke.

Den Abend verbringen wir in einem weiteren der unzaehligen Nationalparks, mit Blick auf Haengegletscher und Hunderte Meter Wasserfall.

Einer der perfekt ausgestatteten Conaf-Campings: Bjoern, Herr ueber das Feuer und den Camping-Kochern.

Gestern gings dann nur ein sehr kurzes Stueck Strecke (20 km) runter nach Puyuhuapi, einem kleinen Oertchen, das vor 80 Jahren von einigen Sudetendeutschen gegruendet wurde. Nachdem wir dort unsere Akkus wieder aufgeladen und uns heute mit 45 km auch nicht ueberanstrengt haben, hoffen wir, dass wir die anstehenden 150 km bis Chaiten wie geplant in zwei Tagen schaffen werden. Von das aus dann mehr ;-))

Liebe Gruesse,


Tina & Bjoern

Samstag, 8. März 2008

Coyhaique

Nun sind wir also in der "grossen" Stadt. Obwohl Coyhaique nur ca. 40.000 Einwohner hat und damit deutlich kleiner als z.B. Punta Arenas ist, kommt uns hier alles sehr gross, voll und v.a. quirlig vor. Sind das schon die Nachwirkungen von der stets so leeren Carreterra? Auf jeden Fall zieht es uns - nach einem Tag Zivilisation total (Laundry, essen gehen, grosser Supermarkt ;-)) schnell wieder in die Einsamkeit und zurueck auf die Carreterra. Nur ist es aktuell mal wieder einigermassen ungewiss, ob unsere Reise weitergeht wie geplant. Ursache ist ein zweiter Defekt an Bjoerns Rad, den wir uns 3 km vor Coyhaique "zugezogen" haben und der gerade in einem kleinen Radladen hier behoben werden soll. Dieses Mal ist die komplette Schaltung einfach durchgebrochen. Wiederum ein sehr ungewoehnlicher Schaden, denn auch wenn die Carreterra sicher groesstenteils aus sehr radstrapazierendem Material gebaut wurde, das geht eigentlich weder auf Schaltung noch auf Schaltauge, zudem war die Strecke, auf der das Rad gestern den Geist aufgegeben hat, ausnahmsweise mal geteert. Die Mechaniker aus dem Radladen sind der festen Ueberzeugung das Problem, das beide Schaeden verursacht hat, nicht nur gefunden zu haben, sondern auch beheben zu koennen. Wir sind da weniger ueberzeugt und waeren nicht allzu verwundert, wenn wir in 100 km mit einem neuen Problem dastehen. Nun lassen wir es aber noch auf die eine Reparatur ankommen - und wenn es dann nicht laeuft, werden die Raeder nach Hause geschickt und die Rucksaecke auf den Ruecken geschnallt. Was schade waere, denn sehr gern wuerden wir das Land (bzw. die Laender, denn bald soll es wieder nach Argentinien gehen) weiter mit dem Rad erkunden, aber wir werden sehen.

Abgesehen vom aergerlichen Ende war unsere dreitaegige Tour von Chile Chico hierher insgesamt nahezu perfekt: Strahlend blauer Himmel, durchgehend eine gute Strasse und wenn auch die Steigungen zahlreich waren, so waren sie doch gut zu bewaeltigen (es gibt da einen Punkt, an dem es wirklich schwer wird, aber alles was an Steigungsgrad darunter ist, kann man - wenn auch sehr sehr langsam - eigentlich recht lange durchfahren).

Noch in Chile Chico: einer von drei netten Camping-Abenden mit Hirofuma, der bisher einzige japanische Radfahrer, den wir in ganz Chile getroffen haben.

Mittwoch waren wir den ganzen Tag mit dem Uebersetzen nach "Puerto Ingeniero Ibanez" beschaeftigt, ein Ort, wie wir spaeter am Tag herausgefunden haben, der zwar ueber eine riesige gut geteerte Strasse verfuegt, uber zahlreiche Mini-Maerkte und gar etwas, das einem Fastfood-Laden vergleichbar waere (nur vom Angebot, nicht vom Interieur ;-)) - aber in dem es keine Menschen zu geben scheint. Zumindest war dieses Oertchen an einem ganz normalen Wochentag einfach nur ausgestorben: kein Mensch auf den Strassen oder in den Geschaeften. Etwas mysterioes...

Entspannen auf der Faehre - 2,5 Stunden nichtstun...

Wo sind sie denn alle? Ibanez ist vor allem eines: leer.

Am naechsten Tag gings dann - auf ueberaschenderweise geteerter Strasse (auf unserer Karte war nur Schotter bzw. Ripio eingetragen) - mehr als 1.000 Hoehenmeter hoch. Als Belohnung fanden wir dann am Ende der Steigung den weltschoensten Campingplatz: Inmitten eines Nationalparks hat die CONAF (Parkverwaltung) ein kleines Plaetzchen angelegt, an dem fuer jedes einzelne Zelt (ca. 5 Plaetze, wobei wir allein waren) nicht nur eine eigene Feuerstelle (inkl. fertig gespaltenem Holz und Schuerhaken!) vorhanden ist, sondern auch eigener Wasserhahn, Tisch und bei Bedarf eine ueberdachte Kochstelle. Und so haben wir richtig lecker gekocht, uns ein schoenes Feuerchen angemacht und einen urgemuetlichen Abend alleine im Wald unter den Sternen vebracht :-))

Teerstrasse - ein Luxus, der einen alle Steigungen vergessen laesst.

Wie zum Beispiel diese.

Und irgendwann muss es ja auch wieder runter gehen ;-))

Am naechsten Tag waren es dann noch ca. 60 km nach Coyhaique - wenn man da ueberlegt, wo das Rad ueberall haette kaputt gehen koennen, ist es schon Glueck im Unglueck, dass es - mal wieder - unmittelbar bei bzw. vor einem Ort passiert ist. Nun heisst es also Daumen druecken, dass die Jungs im Fahrradladen recht haben, dass wir uns keine Sorgen zu machen braeuchten und sie das Problem ohne weiteres beheben koennten. Warten wirs ab...

Etwas gebeutelte, alles in allem aber optimistische Gruesse von
Tina & Bjoern