Montag, 21. April 2008

In den Anden

Mehr als 350 Fotos in nur 5 Tagen - da faellt es schwer, eine adaequate Auswahl zusammenzustellen, um euch von unserem Anden-Treck zu berichten. Zunaechst einmal: Wir sind heile zurueck, wenn auch Bjoern ein wenig angeschlagen - aber dazu spaeter mehr.

Start Mittoch Morgen: Mit dem Auto werden wir vom Hotel abgeholt, sammeln Sixto, unseren Guide, ein und fahren raus aus der Stadt und rein in die Berge. Statt direkt loszulaufen, bauen wir - angekommen auf 4.700m - direkt unser "Lager" auf. Das besteht aus einem schicken North Face Zelt fuer Bjoern und mich und einem Kuechen/Ess/Schlaf-Kombi-Zelt fuer Sixto und Rojelio, dem Mann der fuer die Mulis und damit fuer unser Gepaeck verantwortlich ist.

Ein Mann und seine Mulis: Rojelio.

Und mehr nicht. Denn auf dieser Tour sind wir tatsaechlich vollkommen allein und ohne Gruppe unterwegs. Das Gefuehl, dass zwei Maenner und zwei Mulis einzig nur fuer dich da sind, ist erstmal etwas gewoehnungsbeduerftig. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sowohl Sixto als auch Rojelio einzig spanisch sprechen - und unser spanisch auch nach nunmehr 3 Monaten hier immer noch mehr oder minder inexistent ist. Aber irgendwie kommen wir zurecht und verstehen zumindest einige von Sixtos zahlreichen Erklaerungen zur hiesigen Tier- und Pflanzenwelt (und wissen jetzt, dass maennliche Lamas deutlich hoeher leben als weibliche und nur einmal im Jahr zur Paarungszeit auf niedrigere Hoehen hinabsteigen). Lamas ins rauhen Mengen - und immer gerne dort, wo grad der Weg langfuehrt (Merken: Solange die Ohren nach oben zeigen und nicht nach hinten, ist man vor Spuckattaken relativ sicher.)

Sixto erklaert die Welt.

Camping kann so malerisch sein...
... wenn auch kalt auf diesen Hoehen (man beachte die 4 Schlafsaecke - notwendig, absolut notwendig)"Abendliches" Panorama (durchschnittliche Zubettgeh-Zeit: 19 Uhr)

Ronaldo - ein pfiffiger 5jaehriger, der uns an einem Nachmittag um die Haelfte unserer Suessigkeits-Vorraete bringt.

Die folgenden Tage sind dann im Grundkonzept alle recht aehnlich strukturiert: Gegen 7.30 Uhr Fruehstueck, Sachen zusammenpacken, 2-3 Stunden wandern (und meist direkt als erstes hoch, hoch, hoch), zum Mittagessen (das Sixto schon morgens vor dem Fruehstueck gekocht und vorbereitet hat) runter an irgendeinen malerischen See oder Fluss, dann wieder hoch, hoch, hoch und gegen 15 Uhr ankommen am Lager (wieder irgendwo am Wasser und meist auf ca. 4.700m), um erneut das Zelt aufzuschlagen und erst Tee serviert zu bekommen und spaeter ein leckeres, umfangreiches Abendessen. Runter - auf dieser Hoehe eine wahre Freude (auch wenn es dabei manchmal erschreckend steil zugeht)
Mittagessen im Irgendwo.
Dazwischen liegen atemberaubende Panoramen, schmale steile Pfade, viele viele Lamas & Viscuchas (so eine Art Bergkaninchen), endlose tiefblaue Seen.... und nicht zuletzt reichlich Hoehenmeter. Zumindest fuer uns Flachland-Gringos. Denn trotzdem wir uns ja inzwischen schon eine Weile auf einer gewissen Hoehe aufhalten (und La Paz mit seinem 3.700m gar nicht mehr weiter ins Gewicht faellt), mussten wir feststellen, dass Wandern ab ca. 4.500m eine ganz andere und voellig unbekannte Dimension ist. Eine Ahnung davon bekommen wir bereits am zweiten Tag, als es erstmals auf 5.000m geht und wir buchstaeblich im Gaensemarsch "muy despacio" den Berg hochschleichen. Am dritten Tag steht dann der "Pico Austria" mit 5.250m auf dem Programm, der uns in jedem Sinne den Atem raubt: alle paar Meter anhalten, Luft schnappen und den Puls sich beruhigen lassen - und das ganze wohlgemerkt ohne Gepaeck. Ein wenig beschleicht einen das Gefuehl, entweder unglaublich untrainiert zu sein oder hier einfach nicht hinzugehoeren. V.a. wenn man sieht, wie der Guide (mit Rucksack) leichten Schrittes einen Pfad hochlaeuft, den man nur unter Stoehnen, Aechzen und staendigem Luft-schnappen bezwingt. Aber - wie so oft - es lohnt sich. Auf dem Gipfel angekommen koennen wir nicht nur Kilometer und Kilometer ueber das Altiplano, sondern tatsaechlich sogar bis zum Titicaca-See gucken. Unser erster echter Berg (alles andere - so wird uns jetzt klar - war definitiv nur Peanuts ;-))! Der Berg ruft! Und das heisst erstmal ein Stueck klettern...


...dann hoch durch den Schnee (ja, Janni, du hast Recht gehabt ;-))...
und schliesslich freuen: Angekommen auf dem Gipfel!


Trotz unserer Begeisterung sind wir mehr als erleichert, dass es fuer diesen Tag nunmehr nur noch abwaerts geht. Sehr geschafft kommen wir am spaeten Nachmittag im Lager an und machen erstmal eine kleine Zelt-Siesta. Gut so, denn mehr Schlaf als wir nachmittags bekommen, wird es auch in der Nacht nicht geben. Schuld daran ist Bjoern, der von irgendeinem mysterioesen Virus befallen, alle 15 Minuten aus dem Zelt und auf das "baño naturales" muss - und das bei einer Temperatur, die nachts auf dieser Hoehe bei ca. minus 2-5 Grad liegt. Am naechsten Morgen bleibt uns nichts anderes uebrig, als Sixto mitzuteilen, dass wir leider schon heute, einen Tag frueher als geplant, nach La Paz muessen, da der sehr gebeutelte Bjoern zu schwach ist, um sich an weitere Hoehenmeter zu wagen. Der Versuch die Agentur zu kontaktieren scheitert (sehr filmreif!) daran, dass Sixtos Handy-Akku schon nach dem Waehlen den Geist aufgibt und ich - trotz eines eigens bestiegenen "Berges" - keinen Empfang kriege. Also Sachen gepackt und 2 Stunden ins naechstgelegene Dorf marschiert, von wo aus uns ein Mann in die Stadt bringt. Und ab ins Hotel, um den Bjoern wieder aufzupaeppeln.

Nachdem uns das nun recht erfolgreich gelungen ist, gehen wir heute nun ein wenig shoppen und steigen morgen das erste Mal in ein Flugzeug, um unser naechstes Ziel anzupeilen: den Nationalpark Madidi. Da wir ja auf dem Weg hierher feststellen mussten, wie eine bolivianische Strasse beschaffen ist, haben wir uns entschieden, lieber 45 Minuten in der Luft zu verbringen als 20 Stunden im Bus. Morgen also Start von El Alto aus und dann - Kontrastprogramm - ab in den Dschungel :-))

Bis bald!

Dienstag, 15. April 2008

La Paz

Auf dem Weg in die grosse Stadt haben wir nun doch einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen Chile und Bolivien feststellen muessen: Das Busfahren in beiden Laendern trennt Welten! Und das nicht, weil man hier keine anstaendigen Busse findet. Wir haben uns extra ein besonders schoenes, neues und sicheres Gefaehrt ausgesucht. Eine Muehe, die wir uns in Anbetracht der Strassenzustaende auch haetten sparen koennen, denn noch mehr als unser Bus gezittert, gewackelt und gerumpelt hat, duerfte es auch dem altersschwaechsten Gefaehrt nicht moeglich gewesen sein. Wenn der Busfahrer nahezu stuendlich anhaelt, um die Reifen abzuklopfen, zu kontrollieren & Schrauben nachzuziehen, sagt dies glaube ich einiges ueber den Gesamtzustand der Strassen aus.

Trotzdem haben wir es heile und unbeschadet (wenn auch nach 11 Stunden praktisch ohne Schlaf hundemuede) bis nach La Paz geschafft. Und haben uns hier erstmal - quasi zur Belohnung - ein sehr feines und schickes Hotel gesucht, in dem wir all den Luxus, den wir die letzten beiden Monate entbehrt haben, nun endlich nachholen koennen... (noch zwei bolivianische Besonderheiten: Die Minibar ist a) bezahlbar und enthaelt b) neben Alkohol und Suessigkeiten unter anderem auch Pillen gegen Hoehenkrankheit).


Schoen :-)) Das bequemste und groesste Bett seit Monaten...


Minibar á la La Paz: Vor allem fuer Leute, die per Flugzeug anreisen, dueften die AMS-Pillen ein beglueckender Fund sein.

Gestern haben wir uns deswegen nach einem kleinen Spaziergang durch die Stadt und der Organisation unserer ersten Treckingtour von hier aus, erstmal einen richtig schoenen und schlappen Abend im Hotel gegoennt (und beim Zappen durch die mehr als 100 Programme festgestellt, dass uns Suedamerika fernsehunterhaltungstechnisch weit ueberlegen ist: "Fluch der Karibik", "Herr der Ringe", "Der Teufel traegt Prada", "Lola rennt", "Aeon Flux"... - und das ist wirklich nur ein klitzkleiner Auszug aus dem Montag-Abend-Programm ;-))

Unser erster Eindruck von La Paz selbst ist: laut. Das liegt sowohl daran, dass die Unmengen von Taxen und Minibussen unentwegt und beim kleinsten Anlass loshupen, als auch an der besonderen "Organisation" der Minibusse: In jedem Einzelnen sitzt ein Mann am Fenster oder in der offenen Tuer, der durchgehend lauthals hinausbruellt, wo die Fahrt hingeht und was es kostet. Etwas gewoehnungsbeduerftig. Auch ansonsten ist die Stadt sehr geschaeftig und die Strassen sind immer und ueberall bevoelkert. Auffaellig ist durchaus, dass viel Polizei unterwegs ist, die hier z. B. auch die Banken bewacht und etwas - sagen wir mal - beeindruckender ausgestattet ist als es bei uns in Deutschland der Fall ist (Pumpgun, Maschinen-Pistole etc.) . Dennoch (oder gerade deswegen? ;-) hat man nicht das Gefuehl, dass La Paz eine aussergewoehnlich unsichere Stadt waere: Natuerlich passen wir immer besonders gut auf unsere Wertsachen auf und verzichten darauf, den aeusseren Stadtvierteln einen Besuch abzustatten, aber davon abgesehen ist es auch nicht anders als in jeder anderen Stadt.


Ankommen im Morgengrauen: Der erste Blick auf die hoechste Metropole der Welt.


Ein Zebra erklaert den Zebrastreifen: Klingt sinnlos, ist aber bei dem etwas konfusen Verkehr durchaus nuetzlich.

Altmodische Bussen (sicht- und riechbar ohne Kat unterwegs) kreuzen durch die Strassen von La Paz.

Nicht nur Deutschland stoehnt ueber hohe Strompreise: Hier demonstrieren indigene Bevoelkerungsgruppen fuer guenstigeres Licht.

Heute gucken wir uns nun noch ein wenig um, kaufen ein wenig ein, um dann morgen frisch und ausgeruht unsere erste Treckingtour zu starten: 6 Tage durch die nahe gelegenen Berge, immer zwischen 4.-5.000m Hoehe, ausgestattet mit eigenem Guide und (ganz wichtig :-) mit eigenem Muli, das unsere Sachen schleppt. Sind schon sehr gespannt!

Sonntag, 13. April 2008

Uyuni (2)

Nur ein kleiner Nachtrag, nachdem wir ja schon gestern so fleissig gebloggt haben ;-)) Vor unserer Ankunft in Bolivien haben wir uns ja schon den ein oder anderen Gedanken gemacht, was uns hier - in einem der aermsten, wenn nicht dem aermsten Land Suedamerikas - erwartet. In der sonst immer so allwissenden Wikipedia durften wir dann ueber Uyuni, unserem Bolivien-Startpunkt folgendes lesen:

"Uyuni selbst wirkt wie eine verlassene Westernstadt, passend dazu säumen nicht mehr benutzte Bahngleise diese Gegend. Ackerbau ist in dieser kargen Landschaft auf 3670 Metern Höhe praktisch unmöglich, Wasser ist ein sehr seltenes Gut, dazu machen Wind und Kälte den gut 12.000 Einwohnern zu schaffen."

Ja, das macht Vorfreude, oder? Hier nun ein paar aktuelle Eindruecke von der "verlassenen Westernstadt", in der heute in nahezu allen Strassen kleine Marktstaende die verschiedensten Waren feil bieten. Die Staende werden zum grossen Teil von Quechua-Frauen (so zumindest unsere Vermutung, was die Zugehoerigkeit zu den verschiedenen indigenen Volksgruppen hier betrifft) betrieben, die mit ihren liebevollen Trachten und ihren langen, geflochtenen Zoepfen sehr schoen anzuschauen sind.
Westernstadt?? Naja...
Heute sind die Strassen fuer den Markt gesperrt und die Stadt wirkt alles andere als "verlassen".
Und was den bolivianischen Hotel-Standard betrifft (auch wenn wir da, wie zu befuerchten ist, noch gegenteilige Erfahrungen werden machen muessen): Nachdem wir gestern erst lecker Pizza essen waren, haben wir es uns in unserem Zimmer gemuetlich gemacht und uns im bolivianischen Kabelfernsehen tatsaechlich "Der Untergang" angeguckt: deutsch mit spanischen Untertiteln... ein Luxus der besonderen Art, wenn man seit ueber 10 Wochen absolut fernsehfrei lebt :-))
Heitmatgefuehle der anderen Art

Heute machen wir uns nun noch einen gemuetlichen Tag in unserer Westernstadt, bevor wir fuer den Nachmittag ein (dieses Mal leider finales) Abschiedsessen mit unseren beiden hollaendischen Freunden Nicole & Ube gelant haben. Die beiden fahren von hier aus Richtung Sucre, waehrend es fuer uns um 20 Uhr mit dem Bus nach La Paz geht, wo wir dann morgen frueh um 7 ankommen werden. Wir sind gespannt!

P.S. Nachdem wir es gestern leider vergessen haben (sorry!), heute ein nachtraegliches, aber umso dolleres "HERZLICHEN GLUECKWUNSCH" an Dirk, der am Donnerstag (so wir uns hier im zeitlosen Suedamerika nicht verrechnet haben...) 30. geworden ist! Wir hoffen, wir haben ein phantastische Party verpasst :-)) Und holen das Anstossen dann in 4-5 Wochen nach...

Tina & Bjoern

Samstag, 12. April 2008

Uyuni


Bye, bye Chile - holà Bolivien :-)

Nach 2,5 spannenden Tagen im Jeep sind wir nun also in unserer ersten echten bolivianischen Stadt und muessen uns erst mal neu eingewoehnen und orientieren: neue Waehrung, neue Menschen und andere Begebenheiten. Immerhin haben wir aber schon mal eine fuer uns sehr luxurioese Unterkunft gefunden (das erste "baño privado" waehrend unserer gesamten Reise und - man mag es kaum glauben - Kabelfernsehen!) und werden heute Abend gleich mal die hiesige Restaurant-Szene einer genauen Ueberpruefung unterziehen. Nachdem wir allenthalben gehoert haben in Bolivien gaebe es wahlweise Reis mit Huhn oder aber Huhn mit Reis, hoffen wir uns hier vom Gegenteil ueberzeugen zu koennen. Nicht dass wir in den letzten Tagen darben mussten: Unser Touranbieter hat uns seit unserem Start am Donnerstag mit soviel Gemuese versorgt, dass wir uns - nicht zuletzt auch aufgrund unserer selbstverschriebenen, hoehenbedingten Alkoholabstinenz - geradezu unnatuerlich gesund ernaehrt haben.

Die Tour selbst war wirklich unbeschreiblich: 250 km ueber das Altiplano, immer in einer Hoehe von 3.700 bis hin zu 4.800 m, Wueste, Berge, Seen, Geysire, Salzseen... Nicht zu vergessen die heimische Fauna (Lamas, Flamingos, Vikunjas, Mulis, ...)

Wie schon in unserem Bericht ueber Torres del Paine lassen wir diesen Worten nun statt weiteren Worten lieber Bilder folgen, die euch sicher einen besseren Eindruck vermitteln als all die poetischen Beschreibungen (wunderschoen, phantastisch, atemberaubend etc.), die sich m.E. eh schon ein wenig abgenutzt haben die letzten Wochen ;-)) . Hier also ein kleiner visueller Ueberblick:Unsere zuverlaessigen Weggefaehrten: Toyota Landcruiser (die Strapazierfaehigkeit & Gelaendegaengigkeit eines solchen Autos ist schlicht unfassbar- mit 80km/h ueber absolut undefinierbare Pisten)Altiplano abwechslungsreich: Wueste...
Seen - in ganz unglaublichen Farbtoenen... (Mist, nun komme ich doch nicht ohne die Bannwoerter aus ;-))Bizarre Felsfomationen, die dem Wort "Erosion" eine ganz neue Bedeutung verleihen...
...und Geysire (scheinen hier dazu zu gehoeren wie die Gletscher zu Patagonien).
Lamas in Mengen: Man moechte fast das Stricken anfangen (... oder kriegt Appetit ;-)
Vicunias auf derFlucht.

Bjoern und ein Esel. Der Esel ist links (ja, ich weiss, HAHA, aber den Klassiker konnte ich mir nicht verkneifen).Kakteen wachsen im Jahr durchschnittlich 4 cm. Diese hier sind also...aehh.. alt.

Das auf dem Boden ist kein Sand, sondern reines, pures Salz. Und das zieht sich in der Salar de Uyuni 160 km in die Laenge...
135 km in die Breite....


... ist 2 bis 7 Meter dick...


und sorgt fuer interessante Perspektiven!

Bleibt nur noch zu sagen, dass weder Bjoern noch ich von der Hoehenkrankheit dahingerafft wurden. Dafuer hat es einen Neuseelaender erwischt, der mit uns im Jeep sass und der die Nacht, die wir ueber 4.200m verbracht haben, unser ganzes Mitleid hatte (fuers Mitleid haben hatten wir auch reichlich Zeit, da der Gute alle 30 Minuten raus musste und fuer uns Schlaf nicht wirklich zu denken war ;-)).

In Uyuni wird es uns nun wahrscheinlich nicht allzulange halten... Naechstes Ziel: La Paz :-)

Alles Liebe!
Martina & Bjoern

Dienstag, 8. April 2008

San Pedro de Atacama

Kaum sind die Raeder weg (nein, kein Aprilscherz, Ben ;-)), bewegen wir uns gleich in ganz anderen Dimensionen fort. Seit Freitag sind wir nun in San Pedro, eine Oase mitten in der Atacama-Wueste, die als die trockenste Wueste der Erde gilt. Und die um die 3.000 km noerdlich von Pucon im Norden Chile, unmittelbar der bolivianischen Grenze liegt. Hierher zu kommen hat uns insgesamt 36 Bus-Stunden gekostet mit einem kurzen Zwischenstopp fuer einen Tag in Copiapò, einer geschaeftigen kleinen Stadt an der Panamericana, in der Gringos so selten sind, dass wir prompt auf der Strasse von den hiesigen Carabinieris angesprochen wurden, um uns vor Taschendiebstaehlen zu warnen (das haette mal die Conaf im Nationalpark tun sollen ;-).

36 Stunden im Bus - das klingt erst mal nach purem Horror. Eingequetscht in einer Sardinenbueche, unmoeglich auch nur ein paar Minuten Schlaf zu finden. Weit gefehlt, wenn man in chilenischen Bussen reist, die mit dem deutschen Standard nicht viel gemein haben. In einem breiten Sessel gekuschelt, der sich nahezu vollstaendig in eine angenehme Liegeposition bringen laesst, haben wir die beiden Naechte hier fast besser geschlafen als so manche Nacht im Zelt...

Gluecklich im Bus: Hier kann man es aushalten.

So kamen wir dann am Freitag recht ausgeruht zur Mittagszeit in San Pedro an, einer Stadt, die so ganz anders ist als all die anderen chilenischen Staedte, die wir bisher zu Gesicht bekommen haben. Auf der einen Seite ist es hier nochmal touristischer als in Pucon (was wir vor einigen Tagen noch fuer gaenzlich unmoeglich gehalten haetten). Aber obwohl sich hier Travel Agencies dicht an dicht draengen, einzig unterbrochen von einer wahren Armada an Restaurants, ist es dem Staedtchen mit seinen staubigen Strassen und den niedrigen Lehmgebaeuden gelungen, seinen Wuesten/Oasen-Charme zu bewahren.

Die "Hauptstrasse" von San Pedro.

Dass sich hier eine Unzahl an Reisenden aus aller Welt rumtreibt hat einen trifftigen Grund: In San Pedro duerfe man sich ohne Schwierigkeiten 2 Wochen lang aufhalten und dabei jeden Tag eine neue spannende Tour unternehmen koennen (Wuesten-Trips, Sand-Boarding, Vulkane, Geysire...) - nicht zu vergessen, dass man jeden Abend in einem neuen schicken Restaurant speisen kann ;-))

Nur 2 km raus aus der Stadt und man steht mitten in der Wueste...


.... oder gleich mitten auf dem Mond: Bjoern im "Valle de la Luna", ...

... wo vor allem die Sonnenuntergaenge unvergessliche Aussichten bescheren.

Fuer uns ist San Pedro gleichzeitig der Ausgangsort fuer unsere weitere Reise nach Bolivien. In einer 3-taegigen Jeeptour geht es von hier nach Uyuni, das im suedlichen Teil des bolivianischen Altiplanos liegt. Da uns diese Tour zwischendurch auf neue ungeahnte Hoehen bringt (gleich die erste Uebernachtung ist auf 4.400 m), haben wir uns entschlossen erstmal ein wenig Akklimatisierung zu betreiben, um uns an die Hoehe zu gewoehnen. Schliesslich soll uns diese in Bolivien noch eine Zeit lang auf einigen sehr schoenen Trecks, die wir ausfindig gemacht haben, begleiten. Um also schon mal ein bisschen Hoehenluft zu schnuppern, sind wir am Sonntag mit einer Tour zu den Geysiren von El Tatio (4.300 m) gefahren: 3.30 Uhr aufstehen, 4 Uhr Start, um bei beginnendem Sonnenaufgang und bei minus 6,5 Grad auf dem wunderschoenen Bergplateau anzukommen. Die fruehe Uhrzeit ist Pflicht, weil die Geysire in der Regel nur zwischen 6 und 8 Uhr aktiv sind. Nach einer kurzen Fotosession spuere ich erste Schwindelgefuehle und schon bald muss ich mich hinsetzen, um nicht gaenzlich in Ohnmacht zu fallen. Erste Anzeichen von Hoehenkrankheit? Ich bin lieber vorsichtig und bleibe beim naechsten Stop, den Thermen, in unserem kleinen Buesschen sitzen und geniesse die Landschaft von drinnen. Auch schoen, aber Sorgen machen sich breit. Denn wenn ich - wie ich ja irgendwie schon immer befuerchtet habe - anfaellig fuer AMS (acute mountain sickness) waere, dann waeren unsere ganzen schoenen Bolivien-Plaene gestorben.Geysire bei Sonnenaufgang...
und bei hellem Tageslicht.


Aber wer wird schon so frueh aufgeben? Also starten wir am naechsten Tag einen neuen Hoehenversuch, mieten uns gemeinsamen mit unseren hollaendischen Freunden einen PickUp und fahren am naechsten Tag auf den Paso de Jama-Pass, der groesstenteils ueber 4.500 m nach Argentinien fuehrt. Dieser Trip beschert uns nicht nur einen atemberaubenden Tag auf dem Altiplano, sondern auch die Sicherheit, dass wir alle doch recht hoehenfest sind. Bis auf eine leicht Duseligkeit im Kopf, die einen ab 4.500 m befaellt, sind keine Ausfaelle festzustellen. Und das obwohl wir insgesamt bis auf 4.730 hochfahren (zum Vergleich: der Montblanc, hoechster Berg Europas, kommt auf 4.800 m). Am Vortag haben mich anscheinend doch "nur" die giftigen Schwefelgase aus den Geysiren niedergestreckt (was muss ich Depp auch Makro-Aufnahmen machen ;-))). Nichts ausser Bjoern und unserem schicken Mietwagen: Das Altiplano ist hoch, leer & wunderschoen!
Und wen trifft man hier so, nahe der bolivianischen Grenze? Chilenische Drogenfahnder, die nach "Trafficantes" Ausschau halten (Drogen-Schmuggler, die Kokain per Rucksack nach Chile bringen): Wir scheinen unverdaechtig und werden um ein gemeinsames Foto gebeten.



So fuehlen wir uns nun gut geruestet, um gemeinsam mit Ube und Nicole die Jeep-Tour nach Uyuni zu buchen. Donnerstag gehts los, am Samstag Mittag sollen wir ankommen. Und sofern auch Bolivien ueber halbwegs akzeptable Internet-Verbindungen verfuegt, werden wir uns groesste Muehe geben, euch schnell Bericht zu erstatten :-))

Ganz liebe Gruesse, nun wohl das letze Mal aus dem wunderschoenen Chile!
Tina & Bjoern