Soweit zu den Plaenen fuer die kommenden Tage und Wochen.
Rueckblick: Der Nationalpark Huerquehue (ein Name, dessen Aussprache sich mir 100%ig verschliesst), den wir in der letzten Wochen gemeinsam mit Ube und Nicole besucht haben, war wunderschoen. Eigentlich kann man sich das inzwischen fast sparen, schliesslich haben uns bisher saemtliche Parks begeistert.. aber man will es ja mal der Vollstaendigkeit halber erwaehnt haben ;-)) Allerdings konnten wir nicht ganz so wie wir wollten. Nachdem wir die ca. 35 km bis in den Park, v.a. gegen Ende mal wieder huebsch steil bergauf, gefahren waren und dort unsere Raeder und das wandertechnisch ueberfluessige Gepaeck bei der Parkverwaltung zur Lagerung abgegeben hatten, haben wir unser Zelt gegen Abend an einem unheimlich idyllischen Bergsee aufgestellt.
Wenn es nachts kalt ist (und das war´s) , dampft der See morgens eifrig vor sich hin.Am naechsten Morgen musste Bjoern dann feststellen, dass das was er am Vortag noch als leichtes Halskratzen abgetan hatte, sich inzwischen zu einer ausgewachsenen Erkaeltung gemausert hatte (die im uebrigen nicht nur ihn, sondern auch direkt den Ube ein Zelt weiter, erwischt hat). Mit Erkaeltung ist schlecht bergauf wandern mit 20 kg auf dem Ruecken, also nur die leichtere Variante: kurze Strecke, leichtes Gepaeck, nichtsdestotrotz aber bergauf - das scheint sich in diesem Land selten verhindern zu lassen... Hier hatten wir nun auch das erste Mal volle Sicht auf Chiles beruehmten Araucaria-Baeume, die in diesem Park dicht an dicht stehen.
Unser See, dahinter der eben erst erklommene Villarica nun mal in der Totale.
Wer einmal chilenischen Kaffee getrunken hat (nichts als Instant-Bruehe), der weiss dieses Schild zu schaetzen.Am naechsten Tag wieder ein Kurztrip und wieder maechtig bergauf. Allerdings mit mehr als lohnender Panorama-Ansicht, als wir erstmal das Chinchol-Plateau erklommen haben: Gleich vier Vulkan-Kegel praesentieren sich uns vor einem tiefblauen Himmel.. grandios!
Pause mit Aussicht...
Alles, was oben spitz ist (und oft noch viel mehr) ist ein Vulkan.
Kleiner Bjoern, vor grosser Kulisse.Fuer den kommenden Tag steht nur "Zurueck nach Pucon" auf dem Programm - schon deswegen unvermeidlich, weil uns und unseren hollaendischen Freunden langsam aber sicher die Lebensmittel ausgehen (das ist wirklich faszinierend, wie schnell der Inhalt eines vermeintlich riesengrossen Essensbeutels in sich zusammenschrumpft, v.a. wenn man den Tag ueber wandern geht und abends mit Riesenhunger zurueck kommt ;-)). Also: Sachen zusammengepackt und auf zur Parkverwaltung, um die Raeder abzuholen. Schnell stellt Bjoern fest, dass der Tacho fehlt. Abgefallen, so vermuten wir, und suchen den Platz rund um die Raeder ab. Ergebnislos. Eingermassen frustriert brechen wir auf, denn ohne Radcomputer wird es deutlich schwerer, die Route anstaendig einzuschaetzen: keine Informationen mehr ueber die gefahrene Strecke und was einem entsprechend noch bevorsteht, noch ueber die erreichten Hoehenmeter und was man wiederum diesbezueglich noch zu erwarten hat (ganz abgesehen davon, dass die Teile ja nun auch nicht umsonst sind). Knapp 2 km hinter dem Park faellt Bjoern auf, nicht nur unser Tacho ist weg, auch sein Mini-Multifunktions-Fahrradwerkzeug, das er in einem kleinen Taeschchen am Lenkrad aufbewahrt hat. Nun wissen wir zumindest, dass wir tatsaechlich das erste Mal offiziell in Chile beklaut wurden. Und das nicht in irgendwelchen Touri-Staedten, an Busstationen oder ueberfuellten Campings, sondern im nahezu leeren und idyllischen Nationalpark. Nicht ohne eine gewisse Ironie ;-)
Wir beschliessen, dass es nicht viel Sinn macht, sich zu aergern, sondern freuen uns lieber, dass die Raeder als solches noch da sind. Das duerfte wohl der Tatsache geschuldet sein, dass ein unauffaelliger Abtransport aus dem Nationalpark recht schwer zu arrangieren gewesen sein duerfte. Nicht, dass der Verlust von Werkzeug und Radcomputer entscheidend war, aber dass wir beides nochmal haetten nachkaufen muessen (nachdem auf unserer aktuellen Nachkaufliste immerhin schon ein Schaltauge, eine Shimano XT-Schaltung, Wanderschuhe und eine selbstaufblasbare Luma stehen...), war es vielleicht doch das beruehmte Zuenglein an der Waage.
Nun sind wir ganz im Zeichen des Aufbruchs, denn so nett und niedlich Pucon ausserhalb der High Season auch sein mag, nachdem wir hier nun inzwischen 1,5 Wochen verbracht haben, wird es Zeit. Und nun, wo es uns gelungen ist, nach einer ebenso zeitintensiven wie nervenaufreibenden Suche nach Verpackungsmaterial, die Raeder tatsaechlich zur Post zu bringen und diese dazu zu bewegen, das Riesen-Paket auch entgegenzunehmen, steht der Weiterfahrt nichts mehr entgegen.
Viel Karton und mehr als 100-Meter Klebeband: Hoffentlich hilfts..
Transport zur Post mit freundlicher Unterstuetzung aus Holland ;-)Mal wieder seid ihr aufgerufen, uns - oder vielmehr unseren Raedern - die Daumen zu druecken: Auf dass sie ihre grosse Reise ueber den Ozean unbeschadet ueberstehen!
Liebe Gruesse von Backpacker-Bjoern & Backpacker-Tina ;-)













Eine Muetze voll Schlaf - irgendwie wird es schon gehen.
Die Sonne steigt - und mit ihr unsere Laune :-)
Juhu! Hier macht das Ripio mal Pause :-))

Einer der perfekt ausgestatteten Conaf-Campings: Bjoern, Herr ueber das Feuer und den Camping-Kochern.
Noch in Chile Chico: einer von drei netten Camping-Abenden mit Hirofuma, der bisher einzige japanische Radfahrer, den wir in ganz Chile getroffen haben.

Teerstrasse - ein Luxus, der einen alle Steigungen vergessen laesst.
Wie zum Beispiel diese.
Und irgendwann muss es ja auch wieder runter gehen ;-))
Kurz vor unserem Tagesziel Puerto Bertrand reisst dann Bjoerns Kette. Aber man hat nicht umsonst Unsummen fuer transportables Werkzeug ausgegeben und so sind wir 30 Minuten spaeter wieder auf Kurs. Als wir quasi schon da sind und nur noch vom "Almacen" (kleiner Supermarkt) zum Campingplatz radeln wollen, macht es "krawuschch" und Bjoerns komplette Schaltung haengt nur noch an einem seidenen Faden bzw. an einem kleinen Metalldraht am Rad. Es sieht nach einem Totalschaden aus, denn das Ersatzteil, das hier benoetigt wuerde (ein neues Schaltauge), ist nur sehr schwer zu beschaffen, speziell bei einem Rad deutscher Marke. Aber bevor wir verzweifeln und unsere Planung voellig ueber den Haufen schmeissen, planen wir nach Coyhaique zu fahren und es auf einen Reparaturversuch ankommen zu lassen. Am naechsten Morgen sollen gleich zwei "Collectivos" (eine Art Sammelbus) in die grosse Stadt fahren. Wir stehen mehr als puenktlich Gewehr bei Fuss - nur um festzustellen, dass beide Busse gerammelt voll sind und fuer uns und unsere Raeder keinen Platz mehr haben. Was nun? Noch einen Tag in dem 200-Einwohner-Kaff rumhaengen und gucken ob es am naechsten Tag leerer ist? Wir beschliessen uns erst mal an die naechstgelegene Kreuzung zu stellen. Trampen ist hier gang und gebe, da es wenig Busse gibt und viele Reisende die Carreterra per Hitchhiking erkunden. Nach 2 Stunden, in denen max. 5 Autos (alle vollgepackt) vorbeifahren, halten zwei Jungs von der chilenischen Marine. Viel Platz haben sie nicht, aber mit Ach und Krach kriegen wir Raeder, Taschen und uns selbst in das Auto. Leider wollen sie nicht ganz in unsere Richtung, so beschliessen wir spontan unsere Plaene mal wieder der Situation anzupassen und mit den beiden nach Chile Chico zu fahren, das schon mal ein wenig groesser ist (3.000 Einwohner) und per Faehre und Minibus eine Anbinung nach Coyhaique hat.
In dem 200 km langen See, den sich Chile und Argentinien teilen (auf argentinischer Seite "Lago Buenos Aires") kann man in Ufernaehe direkt auf den Grund gucken, so sauber ist das Wasser.