Donnerstag, 13. März 2008

La Junta

Danke fuer die lieben Genesungswuensche fuer Bjoerns Rad (natuerlich immer abgesehen von Jannys ;-)) - sie waren von Erfolg gekroent. Seit wir am letzten Sonntag in Coyhaique gestartet sind, waren unsere Raeder mal wieder allerhand Strapazen ausgesetzt, und bisher ist nichts (wesentliches) gebrochen, abgefallen oder hat sich aufgeloest. Und das trotz zwischendurch boesestem "Ripio", einigen sehr harten bzw. Material-strapazierenden Abfahrten und insgesamt 260 km. Und derweil haben wir in de letzten Tagen nun auch endlich die 1.000 km-Marke geknackt (das haben wir ins unseren bisherigen Urlauben in der Regel nach 2.5 Wochen - hier gehts doch um einiges langsamer voran). Dafuer stellen wir nach oben hin einen neuen Rekord auf: bei den zurueckgelegten Hoehenmetern liegen wir bei ca. 13.000 ;-))

Zu unserer Tour: Von Coyhaique aus hatten wir die Wahl: lang (120 km), glatt (neuester Asphalt) und voller - oder kurz (73 km), rau (Wellblech auf kleinen fiesen Steinen) und leer. Verwoehnt vom Asphalt vor der Stadt hatten wir die letzten Ripio-Strapazen schon vergessen und uns fuer letzteres entschieden. Und dann hiess es ackern, ackern, ackern. Denn nicht nur, dass uns der Untergrund heftig zugesetzt hat, es gin auch konsequent rauf & runter, rauf & runter... Aber wie immer phantastisch anzuschauen - wenn man denn Gelegenheit gefunden hat, die Konzentration von der Strass ab- und der Umgebung zuzuwenden ;-)) Gecampt haben wir dann wieder auf einem dieser bestens ausgestatteten Conaf-Campings.
Am naechsten Tag gabs erst 20 km schoenen Aphalt, der dann schlagartig von faustgrossen Steinen abgeloest wurde. Das fiese daran ist, dass man zwischendurch immer wieder knapp die Kontrolle ueber das eigene Rad verliert, weil man nur nch von Stein zu Stein springt statt wirklich zu fahren. Umso groesser unsere Freude als wir eines dieser wunderschoenen Schilder mit der Aufschrift "Inicio Pavimento" sehen... tatsaechlich ein Stueck Asphalt, das ins unsere Karte noch nicht eingetragen war. Ein Geschenk des Himmels ;-))
Juhu! Hier macht das Ripio mal Pause :-))

Aber man kriegt ja nichts geschenkt, v.a. nicht auf der Carreterra. Denn nun haben wir zwar eine schoene Strasse und kommen gut voran - dafuer gibt es im naechsten Ort keine Uebernachtungsmoeglichkeit fuer uns und wir sind gezwungen, uns so durchzuschlagen. Und immer dann, wenn man wild campen will, tauchen links und rechts diese langen langen Viehzaeune auf. Statt der geplanten 55 km wurden es dann knapp 80 km, bis wir unser Zelt aufschlagen konnten.

Tag drei bringt eine schlagartige Aenderung der Vegetation mit sich: Urwald, dichtes gruenes Gewaechs und Monster-Rhabarbar, der sich immer naeher an den stetig schmaler werdenden Pafd schmiegt. Von Strasse kann hier eigentlich kaum noch die Rede sein. Auch Autos, die ohnehin schon selten sind, kriegt man kaum noch zu Gesicht.
Gruen, gross und bestimmt essbar - Monster-Rhabarbar (wie auch immer dieser Frucht sich schreibt).
Bjoern vor einer erkennbar genutzten Leitplanke.

Den Abend verbringen wir in einem weiteren der unzaehligen Nationalparks, mit Blick auf Haengegletscher und Hunderte Meter Wasserfall.

Einer der perfekt ausgestatteten Conaf-Campings: Bjoern, Herr ueber das Feuer und den Camping-Kochern.

Gestern gings dann nur ein sehr kurzes Stueck Strecke (20 km) runter nach Puyuhuapi, einem kleinen Oertchen, das vor 80 Jahren von einigen Sudetendeutschen gegruendet wurde. Nachdem wir dort unsere Akkus wieder aufgeladen und uns heute mit 45 km auch nicht ueberanstrengt haben, hoffen wir, dass wir die anstehenden 150 km bis Chaiten wie geplant in zwei Tagen schaffen werden. Von das aus dann mehr ;-))

Liebe Gruesse,


Tina & Bjoern

Samstag, 8. März 2008

Coyhaique

Nun sind wir also in der "grossen" Stadt. Obwohl Coyhaique nur ca. 40.000 Einwohner hat und damit deutlich kleiner als z.B. Punta Arenas ist, kommt uns hier alles sehr gross, voll und v.a. quirlig vor. Sind das schon die Nachwirkungen von der stets so leeren Carreterra? Auf jeden Fall zieht es uns - nach einem Tag Zivilisation total (Laundry, essen gehen, grosser Supermarkt ;-)) schnell wieder in die Einsamkeit und zurueck auf die Carreterra. Nur ist es aktuell mal wieder einigermassen ungewiss, ob unsere Reise weitergeht wie geplant. Ursache ist ein zweiter Defekt an Bjoerns Rad, den wir uns 3 km vor Coyhaique "zugezogen" haben und der gerade in einem kleinen Radladen hier behoben werden soll. Dieses Mal ist die komplette Schaltung einfach durchgebrochen. Wiederum ein sehr ungewoehnlicher Schaden, denn auch wenn die Carreterra sicher groesstenteils aus sehr radstrapazierendem Material gebaut wurde, das geht eigentlich weder auf Schaltung noch auf Schaltauge, zudem war die Strecke, auf der das Rad gestern den Geist aufgegeben hat, ausnahmsweise mal geteert. Die Mechaniker aus dem Radladen sind der festen Ueberzeugung das Problem, das beide Schaeden verursacht hat, nicht nur gefunden zu haben, sondern auch beheben zu koennen. Wir sind da weniger ueberzeugt und waeren nicht allzu verwundert, wenn wir in 100 km mit einem neuen Problem dastehen. Nun lassen wir es aber noch auf die eine Reparatur ankommen - und wenn es dann nicht laeuft, werden die Raeder nach Hause geschickt und die Rucksaecke auf den Ruecken geschnallt. Was schade waere, denn sehr gern wuerden wir das Land (bzw. die Laender, denn bald soll es wieder nach Argentinien gehen) weiter mit dem Rad erkunden, aber wir werden sehen.

Abgesehen vom aergerlichen Ende war unsere dreitaegige Tour von Chile Chico hierher insgesamt nahezu perfekt: Strahlend blauer Himmel, durchgehend eine gute Strasse und wenn auch die Steigungen zahlreich waren, so waren sie doch gut zu bewaeltigen (es gibt da einen Punkt, an dem es wirklich schwer wird, aber alles was an Steigungsgrad darunter ist, kann man - wenn auch sehr sehr langsam - eigentlich recht lange durchfahren).

Noch in Chile Chico: einer von drei netten Camping-Abenden mit Hirofuma, der bisher einzige japanische Radfahrer, den wir in ganz Chile getroffen haben.

Mittwoch waren wir den ganzen Tag mit dem Uebersetzen nach "Puerto Ingeniero Ibanez" beschaeftigt, ein Ort, wie wir spaeter am Tag herausgefunden haben, der zwar ueber eine riesige gut geteerte Strasse verfuegt, uber zahlreiche Mini-Maerkte und gar etwas, das einem Fastfood-Laden vergleichbar waere (nur vom Angebot, nicht vom Interieur ;-)) - aber in dem es keine Menschen zu geben scheint. Zumindest war dieses Oertchen an einem ganz normalen Wochentag einfach nur ausgestorben: kein Mensch auf den Strassen oder in den Geschaeften. Etwas mysterioes...

Entspannen auf der Faehre - 2,5 Stunden nichtstun...

Wo sind sie denn alle? Ibanez ist vor allem eines: leer.

Am naechsten Tag gings dann - auf ueberaschenderweise geteerter Strasse (auf unserer Karte war nur Schotter bzw. Ripio eingetragen) - mehr als 1.000 Hoehenmeter hoch. Als Belohnung fanden wir dann am Ende der Steigung den weltschoensten Campingplatz: Inmitten eines Nationalparks hat die CONAF (Parkverwaltung) ein kleines Plaetzchen angelegt, an dem fuer jedes einzelne Zelt (ca. 5 Plaetze, wobei wir allein waren) nicht nur eine eigene Feuerstelle (inkl. fertig gespaltenem Holz und Schuerhaken!) vorhanden ist, sondern auch eigener Wasserhahn, Tisch und bei Bedarf eine ueberdachte Kochstelle. Und so haben wir richtig lecker gekocht, uns ein schoenes Feuerchen angemacht und einen urgemuetlichen Abend alleine im Wald unter den Sternen vebracht :-))

Teerstrasse - ein Luxus, der einen alle Steigungen vergessen laesst.

Wie zum Beispiel diese.

Und irgendwann muss es ja auch wieder runter gehen ;-))

Am naechsten Tag waren es dann noch ca. 60 km nach Coyhaique - wenn man da ueberlegt, wo das Rad ueberall haette kaputt gehen koennen, ist es schon Glueck im Unglueck, dass es - mal wieder - unmittelbar bei bzw. vor einem Ort passiert ist. Nun heisst es also Daumen druecken, dass die Jungs im Fahrradladen recht haben, dass wir uns keine Sorgen zu machen braeuchten und sie das Problem ohne weiteres beheben koennten. Warten wirs ab...

Etwas gebeutelte, alles in allem aber optimistische Gruesse von
Tina & Bjoern

Montag, 3. März 2008

Chile Chico

Nachtrag
Wir kommen gerade vom Fahhradladen - und der Mann scheint ganze Arbeit geleistet zu haben. Das Rad laeuft wieder :-)) Nun wollen wir also moeglichst bald wieder starten. Da morgen die Faehre voll ist, die wir nehmen muessen, um schnell wieder zur Carreterra zurueckzukommen, bleiben wir noch einen Tag hier. Am Mittwoch gehts dann nach Ibanez und dann weiter nach Coyhaique. __________________________________________________________

Erstens kommt es anders.... und zweitens als man denkt. Hatten wir nicht ganz am Anfang schon mal etwas geschrieben von wegen Plaene machen ist unter bestimmten Umstaenden wenig sinnvoll, weil die Umstaende es dann eh anders wollen? Das ist mal wieder der Fall - Chile verlangt uns unser gesamtes Improvisationstalent ab ;-)) Eigentlich sollten wir nun auf einem anstrengenden Radtrip nach Coyhaique sein, stattdessen sitzen wir im suessen Chile Chico (chico = klein) mal wieder nahe der argentinischen Grenze. Vorgestern hatten wir erst einen zunaechst perfekten Radtag von Cochrane aus. Wunderschoener blauer Himmel, kein Wind, wenig "Ripio" (Wellblechstrasse) und eine phantastische Strecke.

Kurz vor unserem Tagesziel Puerto Bertrand reisst dann Bjoerns Kette. Aber man hat nicht umsonst Unsummen fuer transportables Werkzeug ausgegeben und so sind wir 30 Minuten spaeter wieder auf Kurs. Als wir quasi schon da sind und nur noch vom "Almacen" (kleiner Supermarkt) zum Campingplatz radeln wollen, macht es "krawuschch" und Bjoerns komplette Schaltung haengt nur noch an einem seidenen Faden bzw. an einem kleinen Metalldraht am Rad. Es sieht nach einem Totalschaden aus, denn das Ersatzteil, das hier benoetigt wuerde (ein neues Schaltauge), ist nur sehr schwer zu beschaffen, speziell bei einem Rad deutscher Marke. Aber bevor wir verzweifeln und unsere Planung voellig ueber den Haufen schmeissen, planen wir nach Coyhaique zu fahren und es auf einen Reparaturversuch ankommen zu lassen. Am naechsten Morgen sollen gleich zwei "Collectivos" (eine Art Sammelbus) in die grosse Stadt fahren. Wir stehen mehr als puenktlich Gewehr bei Fuss - nur um festzustellen, dass beide Busse gerammelt voll sind und fuer uns und unsere Raeder keinen Platz mehr haben. Was nun? Noch einen Tag in dem 200-Einwohner-Kaff rumhaengen und gucken ob es am naechsten Tag leerer ist? Wir beschliessen uns erst mal an die naechstgelegene Kreuzung zu stellen. Trampen ist hier gang und gebe, da es wenig Busse gibt und viele Reisende die Carreterra per Hitchhiking erkunden. Nach 2 Stunden, in denen max. 5 Autos (alle vollgepackt) vorbeifahren, halten zwei Jungs von der chilenischen Marine. Viel Platz haben sie nicht, aber mit Ach und Krach kriegen wir Raeder, Taschen und uns selbst in das Auto. Leider wollen sie nicht ganz in unsere Richtung, so beschliessen wir spontan unsere Plaene mal wieder der Situation anzupassen und mit den beiden nach Chile Chico zu fahren, das schon mal ein wenig groesser ist (3.000 Einwohner) und per Faehre und Minibus eine Anbinung nach Coyhaique hat.

Unsere Fahrt mit der chilenischen "Armada" ist der Hammer. Mit bis zu 120 km/H knallt der junge Mann ueber die Strasse, von der wir der sicheren Ueberzeugung waren, 60 waere das absolute Maximum. Allerdings scheint er die Strecke in und auswenig zu kennen, und wir fuehlen uns trotz der eher gewagten Geschwindigkeit immer sicher.
Die Armada de Chile: dein Freund und Helfer in allen Lebenslagen

Die Strasse selbst ist unbeschreiblich: Mehrere Hundert Meter ueber dem blauesten und groessten See, den wir ja gesehen haben (Lago General Carrera), in den Fels geschlagen, der an verschiedenen Stellen wiederum einige zig Meter ueber die eigenen Koepfe ragt, windet sie sich immer weiter ins Landesinnere. Wunderschoen! Und das Wasser im See ist so klar, dass sich der Himmel eins zu eins darin spiegelt und man Himmel und Wasser manchmal kaum zu unterscheiden vermag... In dem 200 km langen See, den sich Chile und Argentinien teilen (auf argentinischer Seite "Lago Buenos Aires") kann man in Ufernaehe direkt auf den Grund gucken, so sauber ist das Wasser.

Immer wieder haelt unser Mann von der Marine an Aussichtspunkten und tiefen Schluchten an, um uns und seinem Begleiter alles zu zeigen. In Chile Chico angekommen, faehrt er zielstrebig zu einem kleinen versteckten Fahrradladen, damit wir Bjoerns Rad reparieren koennen :-) Man sieht mal wieder, wie unglaublich hilfsbereit die Menschen hier sind! Der Mann im Fahrradladen erklaert uns wie erwartet, dass er das benoetigte Schaltauge in der Form nicht haette und es auch unwahrscheinlich sei, ein solches woanders aufzutreiben. Aber er will uns eines per Hand zuschneiden und anpassen. Heute um 16 Uhr soll das Werk vollbracht sein und wir werden sehen, wie es weitergeht. Entweder per Faehre zurueck zur Carreterra - oder aber ganz was neues. Keine weiteren Plaene mehr, wir warten erst mal ab. Und verbringen waehrenddessen bei strahlendem Sonnenschein einen schoenen Tag in "Klein-Chile" und trinken heute Abend ein Bierchen mit einem netten japanischen Radler, den wir hier gestern kennen gerlent haben ;-))

Es gruessen euch Impro-Tina und Impro-Bjoern (letzterer hat vor eingen Tagen von einem hilfreichen Franzosen den Namen "Bruno" zugewiesen bekommen.... die Chilenen haben mit der Aussprache des "joe" enorme Schwierigkeiten ;-)

Donnerstag, 28. Februar 2008

Auf der Carreterra Austral - Cochrane

Da sind wir wieder. Zurueck in der Zivilisation: Was in diesem Fall ein kleines Dorf mitten im Nichts mit 3.000 Einwohnern bedeutet, fuer uns aber ein Riesensprung ist im Vergleich zu unserem Leben in der letzten Woche. Es ist sehr faszinierend, was fuer eine unglaubliche Anziehungskraft ein simpler Supermarkt haben kann, wenn man einige Tage "out in the bushes" im Zelt uebernachtet hat und zudem immer einen gestrengen Blick darauf richten musste, wie lange Wasser und Lebensmittel (bestehend aus Brot, Nudeln und Notfall-Schokolade ;-)) reichen. Und eine Dusche! Purer Luxus, nach den Abenden, in denen man sich in den naechsten Fluss stellt, um nach einem Tag auf dem Rad (und das sind harte Tage hier!) zumindest wieder halbwegs wiederhergestellt zu sein.

Aber erstmal von Anfang an: Unsere Grenzueberquerung zurueck nach Chile gestaltete sich schon mehr als abenteuerlich. Als wir nach einer zweistuendigen Busfahrt am Lago del Desierto ankommen (zu windig fuer das Rad), von wo aus die Faehre gehen soll, ist dort niemand, der uns Auskunft geben koennte, fuer wann diese das naechste Mal erwartet wird (Wartungsarbeiten am Steg hatten den normalen Fahrplan ausgehebelt). Aber wir haben Glueck, schon am naechsten Morgen kommt ein Boot, mit dem wir uebersetzen koennen. Auf der anderen Seite hatten wir auf Pferde gehofft, um das anstregende "Bordercrossing" nur mit den Raedern, aber ohne Gepaeck zu vollziehen. Nach drei Stunden warten ist klar: hier kommt kein Pferd mehr. Also Vordertaschen in den Rucksack, aufgeschnallt und dann die Raeder den mehr als schmalen und steilen Waldweg hochgezerrt. In etwa so:

Grosse Freude, als wir die Grenze erreichen, denn von da aus, so sagte man uns, sollten wir die Raeder wieder benutzen koennen - und tatsaechlich, es ist steil und steinig, aber es geht und wir fahren runter zum wunderschoenen, postkartenblauen Lago O´Higgins.

Hier zelten wir und warten auf die Faehre am naechsten Tag, die uns nach Villa O´Higgins bringt, einem Ort mit 300 Einwohnern und aeussert sparsam ausgestatteten Minimarkets. Wir goennen uns einen Tag Verschaufpause (Sachen waschen, einkaufen etc.). Und dann am letzten Montag endlich der Start auf der Carreterra Austral. Wahnsinn! Diese einsame, kaum befahrene (woher auch, in Villa O´Higgins endet die Strasse, hierher kommt man nur zu Fuss oder mit dem Rad ueber die Grenze... am Tag sieht man ca. 5-10 Autos) fuehrt durch eine unglaublich schoene Landschaft mit riesigen Seen, schroffen Bergen und Urwald. Der Weg selbst ist nicht asphaltiert - mal mehr, mal weniger und mal (gestern) gar nicht befahrbar. Unsere erste Etappe, mit einer Laenge von ca. 250 km, hat uns nun drei Tage gekostet: Jeden Tag 6-7 Stunden (netto!) auf den Raedern mit 800-1.000 zu bewaeltigenden Hoehenmetern. Dabei haben wir wahnsinniges Glueck, was das Wetter betrifft, denn Regen, der hier eigentlich ueblich ist, kann die Strasse fuer einige Zeit voellig unpassierbar machen. Und uns lacht nun schon seit 1,5 Wochen eine strahlende Sonne vom blauesten Himmel entgegen. Ohne Lichtschutzfaktor 50 waeren wir in der Zwischenseit voellig verbrutzelt (das weiss ich deswegen so genau, weil ich hier und da schon mal eine Stelle am Knie vergessen habe - unschoen).

1,5 Tage in Begleitung: Daniel aus Dresden ist mit uns auf Tour.
Lange Strasse, lang bergauf.

Da es auf dieser Etappe ausser eine klitzekleinen Kiosk an einer Faehre sonst nichts ausser Natur gab, haben wir die zwei Naechte wild gecampt (und mussten dabei an einem Abend unsere Lagerstatt gegen eine sehr aufdringliche Kuh verteidigen - wie gut, dass man vom Land ist ;-)). Das fuehrte dann am zweiten Abend dazu, dass das Wasser knapp zu werden drohte. Am ersten Tag gab es noch reichlich Wasserfaelle direkt vom Gletscher, aus denen man sich sorglos bedienen konnte, aber bei normalen Fluessen ueberwiegt derzeit noch unsere Skepsis... So habe ich (Tina) mich denn gestern auf unserer Tour von einem Gaucho zu einer kleinen Farm fuehren lassen, die auch Camping anbietet und auf der wir Wasser und frisch zubereitete Tortas Fritas (Krapfen-artiges extrem fettig-leckres Gebaeck) kaufen konnten. Diese Staerkung konnten wir dann auch gut gebrauchen, denn die darauf folgende Strecke war mehr als anspruchsvoll: Erst rauf auf 520 Meter, dann immer wieder rauf, runter, rauf, runter - das war a) sehr gemein, weil man sich als Radfahrer die ganze Streigung lang damit aufrechthaelt, das man an die Abfahrt denkt - die dann manchmal einfach ausbleibt, und b) so gut wie unmoeglich zu fahren, weil der Untergrund von miserabel zu voellig unmoeglich wechselte: ein einziges Waschbrett und das Kilometer um Kilometer... (sogar auf steilen Abfahrten haben wir es dank des Gehuckels kaum ueber die 5 km/H geschafft). Als wir gestern Abend nach ueber 7 Stunden im Sattel (ich wiederhole, netto!) endlich in den Ort reinrollten (der tatsaechlich ueber asphaltierte Strassen verfuegt - ein unglaublicher Luxus derzeit) waren wir pure Erschoepfung. Das heisst: rein in den Supermarkt, Brot, Kekse und Cola, direkt aufgegessen, schnell Camping gesucht & Zelt aufgestellt und ab in ein "Restaurant" und weitergegessen (und ein paar kalte Cerveza getrunken ;-)) .

Heute heisst es nun fuer uns ausruhen, Vorraete aufstocken, waschen und - last but not least - essen (der Hunger hoert nach drei solchen Tagen gar nicht mehr auf). Und hoffen, dass uns das Wetter fuer die naechsten Tage gesonnen bleibt. Ab morgen gehts weiter Richtung Cohaique.

Das war nun also der erste Monat unserer Reise - die Zeit verfliegt! Noch zwei bis drei Wochen Richtung Norden auf der Carreterra, so rechnen wir. Und dann schauen, wie es weitergeht.

Eure Tina & euer Bjoern

Mittwoch, 20. Februar 2008

El Chaltèn - Tag 2

Nach den Perito-Bildern nun auch noch ein paar Eindruecke von den letzten drei Tagen.




Ansonsten sind wir mal wieder in der Planungsphase. Entweder wir starten direkt heute weiter, um ueber den Lago del Desierto und den Lago O´Higgings wieder nach Chile zu fahren und dort dann endlich auf der Carreterra Austral zu fahren (von der wir von allen Reisenden, die uns entgegenkommen, bisher wirklich nur Phantastisches gehoert haben :-). Aber zum einen ist der Wille, direkt wieder aufs Rad zu steigen, heute noch nicht so unbaendig, zum anderen sind wir hier immer noch nahe des Nationalpark "Los Glaciares" und wuerden gern noch ein wenig die schicken kleinen Wandertouren, die von hier aus starten, ausprobieren. Allerdings muessen wir uns in der Planung nach einem Veranstalter richten, der fuer den Weg zwischen den beiden Seen Lastpferde anbietet. Und da der Pfad dort so uneben, glitschig und schwer passierbar sein soll, wuerden wir diese fuer unser Gepaeck und ggf. auch fuer die Raeder in Anspruch nehmen.

Auf der Carreterra ist dann wohl Schluss mit den etwas touristischeren Orten, die wir bisher so gesehen haben. Es stellt sich also auch die Frage, wie oft wir dort ein Internet-Cafè finden werden. Aber wann immer moeglich, melden wir uns. Vielleicht ja noch von hier aus, wenn wir noch ein paar Tage bleiben sollten.

Bis bald!

Perito Moreno - Bilder

Hier wie versprochen noch ein paar Bilder von unserem Tag am Perito Moreno...



Bjoernie vor dem Gletscher.



Martina auf dem Gletscher.

Und ein Tisch auf dem Gletscher - fuer unsere "Erfrischung" nach dem kleinen Treck.

Dienstag, 19. Februar 2008

El Chaltèn

Nein - es wird nicht besser mit den Internet-Verbindungen. 10 Minuten auf den Aufbau einer Website zu warten, scheint argentinischer Standard zu sein. Sobald es besser wird, stellen wir euch die Bilder - sowohl vom Gletscher als auch von unserer neuen Tour ein. Die letzten drei Tage haben wir nun komplett auf den Raedern verbracht und die Naechte in der Pampa im Zelt uebernachtet. Ein schoener Trip - wenn auch extrem anstrengend. Frueher dachten Bjoern und ich Steigungen waeren das schlimmste, was einem passieren kann. Hier haben wir gelernt, es ist der Wind, der einem das Leben wirklich schwer macht. Und heute ist noch eine ganz neue Erkenntnis hinzugekommen: Wirklich haarig wird es, wenn Wind und Steigung aufeinandertreffen, garniert mit schlechten Strassenverhaeltnissen, Regen und Kieselsteinen, die einem entgegengeweht kommen. Das klingt furchtbar, oder? Wars zwischendurch auch mal - und dann gleich wieder einfach wunderschoen. Vorgestern beim Abendessen in der Wildnis kam uns eine Guanaco-Familie besuchen, dazu die wunderschoenen Abende, wenn man einfach mitten drin da draussen ist. Und eine Horde sich freuender LKW- und Bus-Fahrer, fuer die wir anscheinend eine willkommene Abwechslung darstellen.

Aber das wichtigste ist, dass wir ueberhaupt bis hierhin gekommen sind - wir hatten zwischendurch so unsere Zweifel. Und nun wird lecker argentinisch gegessen (Batterien wieder aufladen ;-))

Liebste Gruesse!!