Heiss... das ist definitiv das erste Wort, das mir zu unserem aktuellen Aufenthaltsort einfaellt. Morgens, abends, nachts: ich glaube nicht, dass die Temperatur auch nur fuer kurze Zeit die Gnade hat, unter 30 Grad zu fallen. Und dann ist es natuerlich auch feucht. Wie sich das so gehoert fuer den Dschungel... und so schwitzen wir hier munter vor uns hin.
Wie bereits berichtet hatten wir uns entschieden mit dem Flugzeug anzureisen statt uns ein weiteres Mal fuer eine laengere (Tor)Tour auf bolivianische Strassen zu begeben. Die Weisheit dieser Entscheidung haben wir beim ersten Anblick des "Flugzeugs", das uns hierher bringen sollte, spontan in Frage gestellt. Und auch der Hinweis, dass es hier in Rurre keinerlei asphaltierte Piste gibt, war nicht dazu angetan, uns zu beruhigen. Aber - so haben wir uns gedacht - wenn von den vier Maschinen, die taeglich zwischen La Paz und Rurre verkehren, tatsaechlich jede 2. abstuerzen wuerde, so waere das wohl kaum ein eintraegliches Geschaeft. Also gehen wir das Wagnis ein und begeben uns auf unseren Platz (bzw. auf unser Plaetzchen).
Hier kriegt jeder einen Fensterplatz - und das, wo ihr die vielen Knie seht, ist das tatsaechlich der Gang.
Landung auf Gras.
Und kommen, wie dieser Eintrag ja bereits vermuten laesst, tatsaechlich heile und ungeschoren an. Nicht nur der erste Atemzug der heissen Tropenluft, auch der erste Blick auf den Ort macht uns deutlich, dass dies hier ein ganz anderes Bolivien ist, als das, was wir bisher gesehen haben: tropisch, dicht bewachsen, die Strassen gefuellt mit unzaehligen Motorraedern, die hier 90% des Verkehrs bilden, und ... achja, die Hitze ;-)


Nachdem wir uns einen Tag fuer die enorme Umstellung von kalter Bergluft auf die neuen klimatischen Bedingungen goennen, wollen wir dann am Donnerstag Richtung Pampas starten - und bekommen hierbei wieder etwas bolivianischen Alltag zu spueren. Der Sprit ist alle. Und zwar der der Tankstelle. Nur ein kleines Problem, wie man uns versichert. Statt uns also mit den 8 uebrigen Reisenden, die unsere kleine Gruppe bilden, wie geplant in zwei Autos zu transportieren, werden wir spontan alle samt und sonders in einen der bereitstehenden Landcruiser gepackt - nicht zu vergessen plus Fahrer und Guide - und zuckeln so 3 Stunden lang ueber die bereits beschriebenen bolivianischen Pisten.
Direkt nach der Ankunft in unserer kleinen Urwald-Lodge geht es rauf aufs Boot, um die heimische Fauna zu erkundigen. Und das heisst vor allem eines: Kaimane. Denn die gibt es hier noch und noecher. Klein, gross, faul in der Sonne liegend, faul im Wasser treibend und stets bemueht, sich soweit moeglich auch nicht das kleinste bisschen zu bewegen (bei dem Energieverbrauch sollte es eigentlich auch ausreichend sein, sich hin und wieder von ein wenig Blattwerk zu ernaehren - aber das hat die Natur anscheinend anders vorgesehen).
Boot mit Aussicht.
Fleissig: Bjoern zieht (mit leichter Unterstuetzung aus Frankreich) das Boot an Land.
Neben Kaimanen gibt es natuerlich zahlreiche weitere Tiere zu entdecken: Voegel in allen Formen, Farben und Groessen, unzaehlige Flussdelphine, die immer froehlich neben unserem kleinen Boot herschwimmen, Affen, Schlangen (unser Anakonda-Suchtrip war leider nicht von Erfolg gekroent :-( ) und und und. Auch wenn unsere Kamera nicht dafuer gebaut wurde, anstaendige Tierbilder zu machen, hier ein kleine Auwahl von dem, was da in den Pampas alles so kreucht und fleucht:

Wie dieses huebsche Tier heisst, ist mir bereits wieder entfallen, aber es ist, wie es scheint, mit der Ratte verwandt.
Diese kleinen Aeffchen sind nicht nur suess, sondern auch nuetzlich: Auf ihrem Speisplan stehen insbesondere Insekten und Spinnen.
Wobei dieses Exemplar, das wir in unserem Camp gefunden haben, vielleicht eine Nummer zu gross sein duerfte.
Die ist noch klein und wird mal einen Meter lang.
Nachdem wir uns am letzten Tag soweit mit der Tierwelt angefreundet haben, wagen wir es auch, am geplanten Delphin-Schwimmen teilzunehmen. Was soviel bedeutet wie Bikini an und rein in das absolut undurchsichtige Wasser, in dem man Minuten zuvor die Kaimane beobachtet hat. Aber unser Guide versichert uns, dass es hier absolut sicher ist und dass definitiv keine Kaimane dorthin kommen, wo die Delphine sind. Ehrlich gesagt ist es aber auch nicht weniger erschreckend, ueberraschend von einem Delphin gestreift zu werden, den man nicht kommen sieht. Trotzdem defintiv eine mehr als interessante Erfahrung.
Das kostet Ueberwindung: rein in das Wasser, in dem so ziemlich alles lebt, man aber absolut nichts sehen kann.
Sonnenuntergang in den Pampas - jetzt werden die Kaimane aktiv.
Heute machen wir nun einen faulen Tag - was anderes laesst das Wetter ohnehin nicht zu - und morgen starten wir wieder nach La Paz, um von dort aus langsam aber sicher Richtung Peru aufzubrechen. Lima wartet - keine 3 Wochen mehr und Deutschland hat uns wieder...
Zerfliessende Gruesse senden euch
Tina & Bjoern